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Full text of "Die wiedergefundene Strassburger Chronik des Johann Georg Saladin [microform]"

AUSTER 

NEGATIVE 



NO 



93-81699-4 



MICROFILMED 1993 
COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES/NEW YORK 



as part of the ^ 

"Foundations of Western Civilization Preservation Project' 



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NATIONAL ENDOWMENT FOR THE HUMANITIES 



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Columbia University Library 



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» 

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copy Order if, in its judgement, fulfillment of the order 
would involve violation of the Copyright law. 



AurnoR: 



RUPPEL 



ALOY 



TITIF: 



DIE WIEDERGEFUNDENE 

STRASSBURGER CHRONIK 

DES JOHANN GEORG 
SALADIN 



PLACE: 



STRASSBURG 



DA TE: 



1908 



Restrictions on Use: 



COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES 
PRESERVATION DEPARTMENT 



Master Negative # 



BIBLIOGRAPHIC MICROFQRM TARCFT 



Original Malerini as Filmed - Existing Bibliographie Record 



DiBsertation! 



9433t8 

Z6 Ruppol, j'aoyr^ Lcoonhard] 1882- 

Die wlodorgefundeno r.trnßtjburßor chronik dea \ 
Johann Coorg Galadin 
Münster 1908 



V-y 



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TECHNICAL MICROFORM DATA 

FILM SIZE: S^:A^_^__ REDUCTION RATIO: /3.V 

IMAGE PLACEMENT: lA (Di ID IIB — i-^^^- 

DATE FILMED: ^-^5i^3__ INITIALS _/f_C 

HLMEDBY: RESEARCH PUBLICATIONS. INC WOODBRIDGE. CT 




D 




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1100 Wayne Avenue, Suite 1100 
Silver Spring, Maryland 20910 

301/587-8202 




Centimeter 

1 2 3 

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Inches 



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4 5 6 

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MRNUFfiCTURED TO RUM STRNDflRDS 
BY RPPLIED IMPIGE, INC. 




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It 




Die wiedei/gef Linde iie 



Strassburger Chronik 



des 



Johann Georg Saladin. 



"^0-;*2*'^ 








InaLio^Liral- Disserta tion 

der Hohen Philoaophisclieii und Naturwissenschaftlichen Fakultät 
der Westfälischen Wilhelms-Universität 

in Münster 

zur Erlangung der philosophischen Doktorwürde vorgelegt 



von 



Aloys L. Ruppel 

aus Neuhof -Opperz b. Fulda. 






STRASSBlRi^ 

strassburger Druckerei und Verhigsaustalt 

vorm. R. Schultz u. Co 
1 90<S 



^ 



DeVnn: Prof. Dr. R. v. LlLlHNTHAI. 
Kff.rent: Prof. Dr. A. Mkistei!. 



I 



Meinen lieben Eltern. 




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1 



i 



Inhalt. 

Seite 

I. Quellen-Untersuchung. 

Einleitung ^ 

Kapitel I. Die Handschrift. 

§ I. Beschreibung der Haudschrift ^ 

§ ?. Anlage und Inhalt der Chronik H 

§ 3. Geschichte des Codex *^ 

§ i Ist der Codex Originalhandsohrift? 17 

Kapitel IL. Abfassung der Chronik. 

§ 5. Die Chronik hat zwei Verfasser 20 

§ C. Saladin ist der zweite Verfasser 23 

§ 7. Zur rienenlo<;it' der Familie Saladin 24 

§ 8. Sonstige literarische Täligkeil Sahidins 29 

!^ 9. Charakter Saladiiis als Chronist 33 

§ 10. Der erste Verfasser der Chronik ,Riiigler?J 34 

^ II. Zur Genealogie der Familie Ringler • • 37 

§ 12. Der Maler der Chronik (F. Breiitel) 40 

^ 13. Zur Genealogie der Familie Brenlel ^2 

§ 14. Zeil der Niederschrift der Chronik 45 

Iis [oliß in ikn MiUeiltutgen der Gesellschaft für Erhaltung der geschichtlichen 
Denkmäler im Elsass hei der Publikalion der Chronik in Gemeinschafl mit 
Professor Meister: 

Kapitel IH. Quellen der Chronik. 

§ 15. Charakteristik der chroiiikartigeii Strassburger Geschichts- 
schreibung zu Beginn des 17. Jahrhniiderls — 

^ IG. Verhältnis der Saladinschen Chronik ;^u verwandUjn publi- 
zierten Quellen 

a) Zur Chronik Künigshofens — 

b) Zu deren Fortsetzungen — 

c) Zur Edelsassischen Chronik des Bernhart Hertzog. . • — 
^ 17. Direkte Quell^'n der Saladinschen Chronik und .Ut ihrer 

Benutzung 

8 18. Verlorene Quellen und ihr nuilmasslicher Wert — 

§ 19. Kigenberichte der Chronik ~ 

Wort der Saladinschen Chronik ~ 

II. Text der Chronik. 



\ 



Häufigste Abkürzungen. 

M = Miiiuiskripf. 
Cod. M. — Codex manuscriplus. 
Str. St. Arch. = Strassburger Stadt-Archiv. 
Str. Sl. Bibl. = Strassburger Stadt-Bibliothek. 
Str. ü. Bibl. = Strassburger üniversitäts- und Laiidesbibliothek. 
Die Tauf-, Ilochzeits- und Tolenbücher Slrassburgs sind meist nacli den Archiv- 
nummern ciliert. Die Datierung nach dem Julianischen Kalender wurde durch- 
weg beibehalten. 

Drucke. 
Reuss — Rudolphus Reuss. De Scriptoribus rerum Alsalicarum hisloricis iiide 
a primordiis usque ad saeculi XVlll exitum (thcsim propunebat 
l'acultati litteraruni Parisiensi). Argentorali (Bull), 1898. 
Friese = J. Friese, Historische Merkwürdigkeiten aus den Silbermiinnischcn 
Schriften gezogen. Strassburg, 1804. 



_ »-. k^ »- >-;0/^J/r ■<-^ -'-' 



Einleitung-. 



Die Slrassburger Chronik des Apothekers Johann Georg Saladin, zu 
Beginn des 17. Juhrbunderls geschrieben, war noch vor wenigen Jahren 
verschollen'. Nur dürftige Auszüge des elsässischen Orgelbauers 
Andreas Silberaiaini (171-2-1783) hallen das Andenken an ihre 
ehemalige Existenz erhaltend Aus diesen Excerpten musste man 
schliessen, dass die Chronik im Jahre 1610 geschrieben, dann aber 
bis 1021 forlgesetzt wurde', dass aber auch wenigstens bruchslück- 
weise Forlselzungen bis mindestens 1633 darin enthalten seien \ 



1. R. Reuss, De scriptoribcs rerum olsaticarum Inshricis, S. 12G. Dieses Werkchen 
des um die strassburgisch-elsässische Geschichte so hochverdienten Forschers gab 
sehr NYillkommeiie Fingerzeige für Aumaduiig der Literatur und der Ilaudschrifteu, 
wenn wir uns auch in jedem einzelnen Falle sebstündige IsaJiprüfuug der abge- 
gebenen ürteilo vorbehielten. Und in der Tat zeigt die Schrift manche Irrtümer und 
Druckfehler. Zwei charakteristische Beispiele seien hier als Belege dafür angeführt. 
Das Calcadariiua Mslorkum des Bernhart Hertzog über das Hanau-Lichtenbergische 
Haus (in der Stadtbibliothek zu Frankfurt a. M.) bringt Nachrichten bis zum 15. Dez. 
1591 (die von 15(]8 ab recht reichhaltig sind). Reuss liisst es (p. 10 1) im Anscliluss 
an Roehrich nur bis 1568 fortgefidirt sein, einem Jahr, das allerdings örtlich an 
letzter Stelle steht. — Das in dem Ghroiiikfragment des Strassburger Rotgerbers Adam 
Schertz wiedergegebene Beispiel althochdeutscher Sprache ist eine Beichtformel, be- 
ginnend mit: »Truhtin got allmehtigo. . .% wahrscheinlich Münsters Cosmographic 
enfnommen. Reuss nennt es (p. 11 i) cantilcnam veterum Francorum (= ein altfränkisch 

Leicht). 

•2. Herausgegeheu von dem Strassburger Schulmeister J. Friese, Uislorische Merk- 
würdigkeiten, aus den Silbermäniiischcn Schriften gezogen, Strassburg. 1804. Sie 
enthalten Excerpte Silbermanns aus verschiedenen, teils verlorenen Strassburger 
Handschriften. Friese scheint diese Merkwürdigkeiten aus didaktischen Gründen ver- 
ÜITentlicht zu haben. Die Auszüge, die nach Friese aus der Saladinschen Chronik 
stammen, finden sich' auf den Seilen 97, 102, 103, 109, 115, 155-157, 163, lü7, 177, 
202(1. (Vergl. auch Dacheux, Fragmeufs de diverses vieilles efironigues, 0l-2il, 
wo sich die Excerpte Silbermanns aus der Saladinschen Chronik zerstreut wieder 

Onden.) 

3. Ad. W. Strohei-, Vaferldndisehe Gesch. des Elsasses, Bd. V (Strassburg, IS")!), 

S. i83. sagt von ihr: «Die Chronik von Johann Georg Salalin, Apotheker in Strass- 
burg. umlciO zusammengetragen, ging bis 1621.» (Vergl. auch Reusj, 126.) 

i. Nach Friese, p. 07. soll Silbermann eine Tatsache aus dem Jahre 1633 aus der 
Saladinschen Chronik geschöpft haben. (Vgl. Reuss, p. 120.) 



-- 8 — 



Aussenlom liericlUel uns l'nmnil.'liic.- Slrchel, rl.i^s .li.« zioi'lirli 
'beschriebene Chronik mit den Wappen der Strnssbnr^m- l^isrhrde nnd 
Ammeister von der iresd.icklcn Hand des Malers Brenlcl gesclimückl 

l^^ewesen sei'. 

So dürfti? nuch diese Angaben waren, so glaubte man <loch — 
-ewiss nieht mit Unrecht — auf einen ziemlich hohen Werl der Chronik 

schliessen zu dUrten^ 

Mehr wusste man nber bisher nicht, weder von Chronik noch 
Chronisten. Wir werden im Laute unserer Untersuchung sehen, dass 
nicht einmal dieses AVenige ganz richtig war. Ollenbar i.t, dass man 
in der Frage nach der Abfassung der Chronik sich auf talschcm Wege 
i,etand. Deutlich spricht aus all den spärlichen Nachiichlen, dass man 
Johann Georg Salatlin für den alleinigen Verfasser der ganzen Chn.mk 
hielt; ein anderer wird wenigstens nicht genannt. Wullli' mau aber 
einem Zweiten Anteil an der Verlasserschaft gewähren - die Nach- 
richten erklären sich hierüber nicht ausdrücklich — , so war man 
geneigt, diesem zweiten Verfasser die Fortsetzung der Chronik von 
1610 ab zuzuschreibend Auch schloss mat), dass dieser Unbekannte ein 
Familienangehöriger Saladiiis warl Wir sind jedoch in der Lage, 
beinahe dos Gegenteil im Folgenden nachweisen zu können. Ul es doch 
elungen, die verloren geglaubte üandschiifl der Saladinschen Chronik 
in der Müncliencr flof- und Staatsbibliothek bei <len Vorarbeiten rd)er 
den Stiassburger l\a[»itclstreit nnvermulot wiedei- aufzufinden". 



(r 



5. In Julius AursGHLAüEns Werk: Das i:isnss, Siipplemenlband, Sti-assltiirii , 1828, 
S. liö. iVgl. A. W. Stroijel, Gesch. (L Eisasses, \-, S. i83.) 
C. Heuss, p. 12G. 

7. Reuss, 120. Derselbe (^.cdaukc leaclitct auch >1iutIi, nvcihi Reuss (p. 120, 127) 
in dem 1080 als Mit^^lied des XVer KoUc-s -estorbeiien Strasslnirger Aiiotlieker .loli. 
Carl Saladiii lieber einen Knkcl als oineii Sohn unseres Chronisten erblicken niüchte : 
er glaubte also, dass Job. Geor? schon um 10 lü starb. 1).t Uicfionnairr hiblv>,jr<i- 
phiqur ,r\haco, Liste preparatoiro. Mulhouse. I80'.i. p. 77, setzt hinter den Namen 
Saladins das Zeichen ' — IGIU". was wohl andeuten sollte, dass er nach Meinung 
des Herausgebers nur bis zu diesem Jahre lebte. Silbermann sagt (nacli friesei nichts 
über Verlasser und Abfassung der Chronik. 

8. Reuss, 12G. . ' 

U. V-l. Aloys MELSTEIi, Der Slnisshio-ijcr K»/>if'-/s/rri/ IOSS—1M)-2. riit lln/ra',/ zur 
Geschichte der Gef,enreJormatioH, Strassburg Heitz 180'), Vorrede IV, Anm. 2. 



L Kapitel. 

Die Handschrift der Saladinschen Chronik. 

§ 1. 
Beschreibung der Handschrift. 

Cod. uerm. Iti^i'i (CGXXXVIII) der Münchener Staatsbibliothek, ein 
Kleinfolioband (resp. Grossquart: 33\/,X23), ist in zwei Buchcnholz- 
deckel gebunden, die nn-t ge}3resstem braunen Leder überzogen smd. 
Der KinbamI, bes. der Hucken, ist stark beschädigt. Aul der Aussen- 
seile i\es vorderen Deckels stehen die drei Buchslaben 

J. G. S«. 

und die Jahreszahl 1014. 

Der Schnitt ist fein vergoMet und mit hübschem Linienornament 
oezieiL Der Codex enthält Xll und 774- Blätter, d. i. 1572 Seilen' 
Die Handschrift ist auf '2 verschiedene Sorten ziemlich starken Papieres 
geschrieben; fol. I-XH, 1-8 und 718-774. weisen die eine, toi. 9-717 
die an.lerc Qualität atd; wie der Unterschied der \Vasserze.che.i 
deutlich macht. 

Das Titelblatt (t'ol. V) ist von Künstlerhand in bunten Farben 
oeschmackvoll unnahmt, rechts und links flankiert von den beidet. sym- 
bolischen Frauen-estalten der Hatio und der Sapientia. Die kunstvolle 
Hand des Malers zeigt sich auch in der Wiedergabe i\os Strassburger 
Stadiwapp.ns (fol. VI) und in dem Greilenwappen des in dem Titel 
-enannten Verfassers .lohaimcs (leorgius Saladinus (fol. X)'. Die 
^wahre Contratn.klur der Löblichen Frcyen Heichs-Stalt Sirassburg» ist 
ein zwischen zw.i abgeschnittenen Dlällern eingeklebter Stich des 



1. Jlohannj G|.ur.| S|aladin| ; der Name auf der Anssonscite .les Deckels bezeich- 
nete /.u damali;.er Zeit, soweit wir sehen, den Eigentümer, nnd nicht Aen Nerfasser. 

2. Bl. 1-XII nnd :ii-774 sind erst von moderner Hand paginiert, ühdter / 13 
bis 72 i und 707— 77 i sind nnbeschrieben. 

.i Dieses Wappen kam nns sonst nicht zu Gesicht. Es ist möglicherweise erst von 
dem Maler der Chronik für die Familie Saladin erfunden worden. Vorfahren und >ach- 
kon.men Saladins befanden sich - soweit wir sehen k.innen - ni.ht n. MHlnnKcn. 
in denen sie öirentlicli Wappen fuhren durften. 



/ 



— 10 — 

M. Greuler' iia<:l) Zeichauiigen des Slrassburger Festungsbaumeislers 

und Chronisten Daniel Speckün aus dem Jahre 1587^ Der Künsller 

bat den Stich in leiner Abloniing: zart übermalt. Die Handschrift ist 

ausser den genannten Malereien noch gescbmücki mit zahlreichen AVa|.|)en 

Slrassburger Bischöfe, mit den Wappen der zwanzig Zünfte und der 

beiden Gonslafeln, und denjenigen siimllicher Ammeister der Stadt 

Strassburg von kU3 -DVIO. Wahrend der Scbüd dci Hiscbolswappen 

von der bebänderten Mitru gekiönt wird, tragen die Zunft- und 

Ammcisterwoppen keine llelmzier, sind aber wie alle anderen Malereien 

mit solcher Virluosilüt und Feiidieit ausgclührt, dass wir sie nur einem 

sebr geschickten Künsller zuschreiben können. Die Dischofswappen 

beginnen bei dem 44. Slrassburger Bischof aVernharius, der erste 

Grafl^ von IJabsburg» (lOOG— 10'28), und endigen mit dem Leopolds 1. 

von Österreich. Die Zunftwappen und die der beiden Constafeln sind 

der Schilderung der Stadtverfassung vom Jahre 1482 (lul. 200-267'') 

eingereiht. 

Die Ammeislerwappen stehen unter dem Namen des Ammeisters 
eines jeden Jahres, in den allermeisten Fällen zu Beginn einer neuen 
Seile. War die vorhergehende Seile noch nicht voll beschrieben, so 
blieb sie teilweise leer. Ja, es finden sich ganze Seiten und Blätler 
unbeschrieben, die dazu bestimmt waren, späteren Nachträgen zu den 
einzelnen Jahren jederzeit Aufnahme gewähren zu können. 

Die ganze Handschrift ist sebr sauber und korrekt geschrieben. Im 
allgemeinen ist die Schrift scbwarz; doch fmden sich auf den oben 



». Muthcas ürciiter (so sclirkb er seinen .Naiiuii aiil dem Slicli der lliiuuieiralnl 
des Elias nach Wendel Diterlin «Argentinae 158'.»»], guboren zu Strassburg lnG4 oder 
I5G6, gestorben zu Uom lüJ8, war ein sehr geschickter Kupferstecher. Mr slaeh viele 
Copien von Dürers Passion. Aiicli \ibcrtrug er Werke anderer Meister sowie eigene 
Erfindungen auf die Kupferplalb>. Sein Sohn Juli. iTiedrich, geb. zu Born lOOO, gest. 
um I6G0 in Italien, übertraf seinen Vater in derselben Kunst. (Nagi.ku, .\eucs nWj 
KünüleHcxikon, Bd. 5, München, 18 57, S. 3(.:)— 3G7.) 

5. Diese Angaben sind auf dem Stiche ersiclitlicli, der wahrscheinlich als fliegendes 
Blatt verkauft wurde. Ausser dem in unserer Chronik vorliegenden Origiualexemplar 
befindet sich noch eines (nebst mehreren Lichtdrucken) im Kupferslichkabinett der 
Stadt Slra-sburg 'Altes Schloss]. Eine verkleinerte Nachbildung dieses Stiches (ludet 
sich iu dem vom Architekten- und logenieur-Vcrein für Elsass-Lolhringen heraus- 
gegebenen Werke: Strdssburg nwl seine Baute/t,. Sirassburg (Trübnerj l8'Ji, S. 255. 
Nach einer frdl. Mitt. des Verlages ist diese Nachbildung nach dem im Kupferslich- 
kabiuctte befmdl. Original hergestellt, das hinwieder in einem Buche Specklins er- 
schiem'n sein soll. Der Stich tragt jedoch keine Spuren IViiherer Einheftung. 



' 



- li - 

genannten Titelsachen auch Worte in roter Schrift. Der Kopf einer 
jeden Seite der Chronik (1—714; «Strassburgiscbe Gronica», ^egen 
Ende innner reichliclier mit Schnörkeln verziert, ist ebenfalls in roter 
Farbe gemalt'\ Alle tberscbriften der Berichte über die Jahre 1014—1021, 
sowie die Übcrschiiftcn der unten gekennzeichneten Nachträge sind 
ebenfalls rot. Auch sind nach 1014 hie und da einzelne Worte im 
Texte zur llervoihebung rot geschrieben. 

Die Sprache der Saladinschen Chronik ist deutsch, wie wir sie in den 
damaligen Strassbur2:er Chroniken durchweg beobachten. Doch hält 
sich unsere Chronik von Dialekten mancher damaligen Handschriften', 
die sicherlich von Eingewamierten geschrieben wurden', vollständig fern. 
Nur verschwindend kleine Teile in unserem Codex sind lateinisch 
geschrieben, da wo die Vorlage lateinisch war. Auf den Stil der Chronik 
kommen wir in einem anderen Zusammenhange noch zu sprechen. 

§ 2. 
Anlage und Inhalt der Chronik. 

Auf dem langen Titelblatt, das uns zugleich über den HauplinhaU der 
Chronik unterrichtet, nennt sich als Verfasser Jobann Georg Saladin, 
Bürger und Apotheker zu Stra.ssburg. Daruider steht die Jalu'cszabl iölO. 
Die in schöner Minuskel mit druckähnlicher Exaktheit geschriebene 
Vorrede (XI— Xll) trägt das Datum des 10. Februar 1014. Es folgt 
sodann die Aufzählung der Sehenswürdigkeiten Strassburgs, Vermessungen 
der Sladl, Gassennamen und Iläuserzahl (1—8). 

Auf den Seiten 9—713 wird über Slrassburger Stadibegebenheiten, 
sowie über Ereignisse der elsässischen und Reichs-Gescliicble, die die 
Stadt berührten, von der sagenhaften Gründung Strassburgs bis zum 
20. Dezember 102P bald ausführlicher, bald knapper erzählt. — ^Vir 



6. Gegen Ende der Chronik waren einzelne Blatter an diesem Kopfe zusammen- 
geklebt. Eine unvorsichtige Hand hat >ie so auscinandergetrennt, dass sie an dieser 
Stelle manchmal durchlöchert sind. 

7. z. B. die sog. Imlinsche Chronik (M. in der Str. ü.-Bibl.j. Vergl. R. Reuss, Sfras- 
hunj im 16. Jahrhundert (1500-1591). Auszug aus der Imlinschen Familieochronik, 
Colmar. 1875, S. 21; Alsatia. 1873—1874, S. 383. 

8. Vergl. S. 32, Anm. 7. An dem dortigen Beispiele ist deutlich, dass es sich um 

eiiien"'^Eingcwanderfen handelt. 

I. Die Notiz über die 1633 geschehene Abschaflung der Ostereiereinsammlung durch 

die Waisenkinder, die Silbermann (nach Fhiesk, S. 97i aus der Saladinschen Chronik 

geschöpft haben will, (Inlet sich also nicht iu unserer Handschrift. 



^ 1-2 — 

lesen von (l.;r r.Mchen Nuchkonuii.MK<rlinrt Noas, von der Fluclil Tn'belas 

aus Babvlunien vor iler Unkcusclilicit seiner Sliermuller Seniiiainis über 

das Meer zur Mosel, von der Gründung Triers und Strnssbui-s, von 

einem grossen Unvveüer, von Einfiillen der Römer und Franken, von 

einen» beidniscben Tenii)el des Merkur zu Ebersbeimmünsler, von der 

Bekehrun- Slrassbur-s zum cbrisllicben Glauben, von seinem Uuckfall 

in das liei'^lenluni und seiner erneuten Bekeinuno, von Sliflunoen einzelner 

Kirclien und Klöster in Slrassbur^^ uml im KIsass, von der Grundslem- 

lei.ung- des Münsters durcb Cblodwi- i. .1.510, von einem grossen Sterben 

591. "bn Gegensatz zu den Cbn.nik.'u des .laecd) Twinger von Königs- 

bot'en und L .loliann .laeob Meyer isl die Siladinscbe Gbronik idcbt 

„acb stotllicben Gruppen, sondern str.'Ug cbronologiscb geordnet. Hocbst 

selten beziebl sie sieb auf ein friibeies oder späteres Jabr. 

Von dem Beginne des 7. .labrbuuderis ab lelinl sieb die Krzüblung 
der Kreignisse an die Begierungszeiten der B-iscböle an. Nacb dem 
etwas ausfübrlicberen Beririite über die vier ersten B.iscböfe folgt die 
etwas eintönige Reibe der r.iscb.ife mit Angabe ibrer Begierungsdauer 
und ibrer Todesjabre. nur kurz bie und da unlerbrocben durcb die 
Krzäblun- von König haguberls Tod und Teilun- seines Beicbes, v..n 
Herzog Kllicb luid der Id. Olliba. von Herzog Adelbrecbl und Gründung 
des Stiftes Hanau, von dei' Ki Weiterung d.r Stadt Strassburg i. .1. 700. 
von drr B.v.wingung de> Elsasses durcb Karl Martell. von der Fr- 
bebung .Sirassburgs zur freien Ibicbssladt 74^2 und von der Bekebrung 
SGcbse'^^is durrb Kinl den Grossen 78(1. B.'i dem Vi. Bis.bofe Wildrolfl: 
den die .(meuse und Ballen asseuD, weil er den Leib der beiligen 
Atlala aus GewinnMubl steblen wollte, wird di.' Krzäbluiig über .lie 
Biscböle wieder ansfnbrb.ber. Wir boren sodami von Bränden in der 
Tbomaskirrbe und itn Münster, von der Teibmg .les Beicbes 8iO, von 
dem Wielcraulbau iU:^ Munster> und d.r Tbomaskircbe MH5, von dem 
Wunscbe Kaiser lleinricbs IL, U^\i'^ Du.uiieir in Stra.sburg zu werden, 
von ikv Slifiuiig der Kircbe .lung Sand Beter, von Wundeizeicben, 
Klöster- unil Kircbensliflungeii, von Weinmangel und Teuerung-, von 
Bränden, Sleiben, scbrecklieben Weitem un.l deren Vorbersagung. von 
Erweiterung dei- Sla.it, voti dem Kinderkreuzzu-. von der Einlübrung 
der Bellelorden, v.ui Grat Budulpli von llabsbiug und seiner Einigkeit 
nül der Sta.lt. Hervorgeboben möge w.'r.l.-n .br in allen Zeilen unter- 
stricbene Ab.M;bnitl ^^Slrassburi: uirdt gelreyet» ca. IIOI) und .1er 
längere über .len Streit der Stadt mil .lem Biscbofe Waltber von 
Geruldseck 1^201/02. Au^ der Sunmie des innner reicbballiger Geboteneu 



— \S 



mag noch ausdrücklieb b.'tont werden dei' Streit zwischen Adel und 
Handwerk 1.S08. Kampf Ludwigs d.,'s Bayern und Friedrichs des Schönen 
im Elsass ISli. Erbauun- der Pfalz und d.'S Pfennioturms 1:>2L An- 
fertigung des Sladlbu.-b.'s L-V22, des Bischofs Fein.lscbalt mit den 
KThumbherreu)^ LS-28. Aufruhr zwischen den Familien Z.u'u un.l Müllen- 
heim un.l Än.lerung <ler Sladtverfassung l;332/3r;. Yerbreimung der 
Juden und zweite Änderung in der Stadiregierung 1340. 

Von hier ab scbliessl sich die Darstellung der Eieignissc enge an 
die Regierung der Ammeister an. Die Wahl des Ammeisters eröffnet 
stereotyp den Bericht des Jahres, darunter werden die Namen der 
vier adeligen Slädlemeisler genannt, links von diesen Namen prangt 
das Wappen des regierenden Ammeisters. 

Es folgen sodann die ausfühiiichen Abscbnille über .lie Ankunft und 
das Treiben der Geissler zu Strassburg 1349, den Krieg Österreichs 
mit ((Züri.h» 1350/54. den Eiidall der Englän.ler in das Elsass 1365 
und 1375. den Streit des Tbomaska{ntels mit dem Bischof 1378. über 
den Beitritt Strassburgs zum schwäbischen Slä.llebund 1377 ff., über 
die dritte Änderung der Stadiverfassung 1382, Über Herzog Leopolds 
v.jn Österreich Zug gegen die Schweizer 1380, über die Fortsetzung 
des schwäbischen Krieges 1388. über Zwistigkeiten mit dem Bischöfe 
1.^88—139:) und Aussprechung iler Acht über Strassburg 1389/00. 

Warum wir bis gegen Ende des \l Jahrhunderts eine etwas aus- 
führliche Schilderung des Inhalts unserer Gbronik g,'l)üten haben, wird 
dem einsichtigen Leser nicht entgehen. Eine volle Bechtfertigung für 
unser Vorgeben bietet das .bitte Kapitel dieser Einleitung. In der 
Inhaltswiedergabe des folgenden können wir uns wesentlich kürzer 
fassen, da ein grosser Teil davon in der Publikation der Saladinschen 
Gbronik uns selbst vor Augen treten wird. 

Wir beben deshalb nur die längeren und wichtigeren Abschnitte 
schlagworiäbnlicb hervor: Adelige verlassen 1119 die Stadt, vierte 
Änderung der Sladtverfassung, neuer Schwörbrief. Krieg der Stadt mit 
Bischof Wilhelm 1428, die sehr austührjiche Schilderung des ccArmen- 
Gecken-Krieges« 1439, 1444— U-46, .Wasslenheimer Krieg 14-47—48, 
Änderung der Stadtverbissung L4i>2, «Zug für PaiMSS» 1465, des Herzogs 
von Burgund'«Brautlaul))':i468, der Burgundenkrieg 1474—77. Fehde 
zwischen Zürich und Strassburg 1480. lünfte Änderung der Verfassung 
und dritter Schwörbrief 1482. — Hieran schliesst sich ein Exkurs 
über die Ordnung der Zünfte (mit den Zunftwappen), über Verfassung 
der StadL Wahl des Ammeisters, Ordnung des Magistrats und des 



- l-i - 

Geri.hles, üd\.t,'nisse .ler Uc.s.i.'n,n-kollogicn .1er XXIer, XVer, Xlller 
und sonsligei- Äniler in Slrasslmrg-. 

Su,lann lolgl wir.ler die eln-onolupische lU-ilic: l'o.lselz.mg dos M.vils 
niilZürid, ll8->, Bnndlschul. I W.l. Einlnln-nng der Uoformafon ,n 
Sira-hnrg. ISewoil.nni,' <lo.- l'rieslor. .\l,schon-m,K d.T Messe n.w. /ald- 
reiche Mandale der Sladlol,rigkeil. die nieisl den Unlertnnen II.BS.gen 
Be^ncl. der Predigl un,l die iMdirnng eines elnharen Leidens a.jen,- 
nfelden. sind in nnserer llnndschrifl uiedergegeLen. Audi isl das l.nro 
Geld anfgezhhU. was die Slridle nnd Fin'sten Kaiser Karl \. nn Jahre 
1547 "eben .nusslen. Kin längeres «l.iedl anf die dollen OpferplalTen. 
bei Einfnhrnng des Inlerims zeigt die ErbiUernng der Strassbnrger 
über die Ualbolisdic Ceisllicbkeit. Bischof Job. von Manderscheidl «dl 
der ^ladt den Kid nielit sehwören. was er endlich aber doch tnl ; 
Versöhnnnssfesle zwischen Rischof nnd P.nl zn Slrassl.nrg, Anszng ans 
den Freiheiten der Sladt Slrassbuig vom Jahre 1570. Von \M\ ab 
finden sieh in nnserer Chronik die sog. Jahrzeliel. d. h. sialisl.schc 
Aulzeicbnnnire.i i.ber Sierbofälle nnd Geburten. Heiraten. Ausführung 
von Landesprodukten. Anzahl der verpflegten nnd geklculelen Armen 
während eines .lahres. Längere Tasquillen anf .lie katholischen^ )om- 
kapilulare widirend des Sirassburger Kapilelstreilcs leblen nicht .n 
unserer Qn-onik'. - Nun folgt die ausfi.hrliche Scbihlernng des bischol- 
llchen Krieaes 159-2/9.=). die Tag fnr Tag erzählt, was sich ercgnet 
liat Bcscbreib.m^ des Zeremoniells hei der Krönung des Königs .Maltlnas 
zu Frankhn-t am .Main Ifil'l lierlchl, wie sich ein regierender Ammeisicr 
zu verhalten hal. AV.tterung des Jahres 101.^. Unruhen in Kranklurl 
If.l/.. Bnrgermnsterung zu Str.sshnrg 1(115. eine epislola apologelica 
.eoen ein arianisches Buch (lal.), .Mandate iiber die Juden, nber den 
Konimarkl. über niicidliches Heilen und Fabren in ,lor MadI usw.. 
Kaiserliche Fxekulion vam '». Februar l.iKl zu Frankfurt. Knegs- 
rnsiunoen zu Sirassburg. Erhebung der Akademie zur Universität und 
Bescbreibnng der deshalb veranstalteten Feier (7. Juli 10-21); gegen 
Knde folgt dann noch ein guter Ulk auf die anfgel.isle Union nnd 
Bervdnnng des Einfalls des Grafen Mansfeld in das Elsass. 

üa/wischen stehen zahlreiche Notizen nber alle möglichen Vor- 
kommnisse in Stiassbnrgs Mauern, über grosse Wetter und Wasser 
Feuersbrünsle. wohlfeile und teuere Zeiten, über Preise der 1-rucht 



1. tiin l'asquill davon ist licreils aus unserm 



Codex verOfr.'nlticht. (Verst. Atoys Meisteii 



i„ drn \n,,aknfii>- Gi-Hhkhle. ,hs XMmMn^, lieft V,. S. f,.i-l51.l 



- 15 — 

und des Weins, über llinrielilungen von Ehebrechern nnd Kupplern, 
Überhaupi über alle.s, was einen ehrsamen Sirassburger Bürger da- 
malitrer Zeil, .ler für <lie Vorgänge in der Sladt ein offenes Ange halte, 
hueivssieren konnte. Die Aufzeichnungen werden gegen Ende immer 
reichltalliger und mannigfaltiger, so dass uns all diese kürzeren nnd 
längeren Notizen ein ungemein anschauliches Bild des Lebens und 
Treibens in einer Stadt, vor allem aber über deren sittliche und soziale 
Zustande zn Beginn des 17. Jahrhunderts klar vor Augen führen. Der 
Werl dieser so reichen Notizen ist um so höher, als das meiste der- 
artige Material durch den unseligen Brand der berühmten Sirassburger 
Bibliothek im Jalire 1870 zugrunde gegangen ist. 

Schliesslich ira-en die Blätter 725-700 noch ein vierfa.'hcs Begisler 
,lcr Chronik über die Bischöfe, die Städl- und Ammeisler der Sladt 
^irassburg. sowie über die sachlichen Materien. Die Register sind zwar 
alphabeliscb. aber innerhalb ,les Alphabetes chronologisch geordnet. 
Die Namen sind nach den Vornamen registriert. 

s ■->• 
Geschichte der Milnchener Handschrift. 

Im Jahre 101 i befand sich der noch unvollendete Codes in Händen 
des .lob. Geor- Saladin, wie die Buchstaben anf dem vorderen Einband- 
deckel ausweisen. Aller Wahrscheinlich:;.^!! nach blieb er auch in dessen 
Händen bis zur Veiheiratnng seiner Tochter Barbara mit Mathias ^fohm' ; 
die Ti.cbter aus dieser Ehe, Barbara Slrolim. heiratete am -t. .MaiJOS^ 
,len Arzt Johannes Braun, med. Doctor^ nnd brachte wahrscheinlich 
den Codev in desswi Bibliothek. Nach dem Tode der Barbara heu'alele 
Braun noch dreimal. Aus seiner dritten (zweillelzten) Ehe inU Susanna 
geb. Bressler (geschlossen am -2.\ Sept. 17-21) liatte er drei Kinder , 
doch nur das "eine Mädchen Susanna blieb am Leben und heiratete 
den Kaufmann Johann Leonhar.l Kuff <len Jüngeren'. Dieser Ehe ent- 
stammen die drei Söhne Johannes Leonhard, Joliannes und Johami 
Daniel'. Als diese im Jahre 175-2 ihr mütterliches Erbe teilten, fiel 
dem zweiten Sohne Johannes, damals Student der Rechte und Notanals- 
kandidat«, .lie Saladinsche Chronik aus der Bibliothek seines Grossvaters 



t Sälieres s. unten bei der Genealogie Saladins. 

•2. .Nachruf des Itektors auf den Tod Braune. (Sir. St. Arcli. Trogr. funebr.) 
3. Ebenda. - 1. Kbenda. — 5. Ebend.-i. 

\n der Universität Stras.-^bur- als stud. pl.il. immatrikuliert am 30. Sept. l.il. 
iGuslav C. ICxon, Die oUen MalriMn riei- U,,ioenWit Slrosshurfi mi-i79S. I, 453.1 



I 



- 10 - 

■ , ,.|„ifi in .licson, AngcnblicUc war, sagt f.' ""S ..1,1,1. 1 ese, 

n,änn,scl,cn bcln>l„, ^" «^ " ^,^,.,„.„,„„ ,„ .,„ss eine 

t'eslslellu,,, <ln,aus „ l-l '' "'^^ „.,^,^,„„ „(,,„ „„ ,„„ Sala,li„s,:l,o 

r ; 1 ,i N ....l.l ae„ Na„,cn Sah.,r,„s; .. e„ll,»l. Ins. ,„„• Nolu,-« 
zcicluiel cl„-M.lal^ i...i. . , ,,., o,.H.l„ i„, Elsass". l',in,a.- 

,e„n... -'-"" ,;, , 'oncha.- „o,.-!, i„ Snassl,,.,-, n„ser,. Co,lcx 
gesel,c,>. AI,, s""" ,, , , ,^ ^.^|, LcKali,„.^.-.,ls v„„ l!l,fi„vval,l'=. 

N,-.2;)8 vem,c,,„ . ;^;^''' ;;/i.i,,,,,.,,,,„ sd,.,,,-lU..s , 1......1- 

,„,„, N\"l'l-;- /-'•'• ", ,J. , ,, s,aaUl,il.l,.,.l,.k .Kl,ei„- 

ha„m«ng> laT..,!.. «-f " '^;;;f™r^^^3 Arbeitsweise, -bss er ,lie i;xce,„,e S>lbe,„,.n.,s 

„„besehen herausgab, ohne ,l,e nni,,nan , 
zugänglich ™en, einzusehen. 

10. M. in 'lev Sir. U. lübl. |I.. •^'''"„ !":•', ^„,K„,,i,u„„ |„r tlsas.M."lhrinf.-en vo.n 
„.Beseh,eibu,,g,lesTage,.,,,,,.s.n6erln,^,^ in, Eisass- von X. Kine 

28. De/ember 1805, Arl.kel : -Zu, "'-f ';"%," .„„„,„ ,„ seine,,, Urnde, , dem 
schtoe ?chil,levun, ,les ^^^f^'^^sTZ^^^^^''^^ ''" '" So,„,.agsl,eiiage 
Orgelbauer «ol.frie.l S., ""''"'-•'' »^ ', ^.t'^eb „„.■ teilweise auf l,is.ovische 
der .Nordd. ,Ulg. Zeit, vnn, lt.. 0kl. IbSl scnu 

tlrnndlagcn zu sliilzen. iibeinwalds gewesen sein, „"d isl wol'l 

,.,. K, nnrfte also nicbl la„,e „n '''-^^ ';'''; „^,,,° „„,„ «„n, h.M, gewanderl. 

erst kurz vor der Auktion der «''-"f ^^.^^'^^^^.f ' eme,-en Erseb.-iuung, wie sie 
tS. Saladin l,iess .lohann Georg. Be e ne, ^'1 " --P' verw.'cbselung von J. 

,i„ ,„ Auklionszwecken hergeslellter Katalog ,s., kann 

„nd f. sehr leicht «"f «'"'"; „^„„b,,, „el.et, .ier neuen |-2;-2. 

;t rnd"crtu2Vr'ri:ener Bildiolbek durch Herrn l.r. Le.dinger. 



in 






f 



- 17 - 

§ 4.. 
Ist der Münchener Codex Original oder Kopie? 

Der uns vorliegende Müncliener Codex der Saladinschen Chronik ist 
Irolz seines giossen Umfanges von nnderlhn]i)tausend Seiten durchweg 
sehr sauber gesrhriehen. IS'ochlrägo und Verbesserungen am Rande, die 
wir bei Originalen selir oft beobachlen können, finden sich nicht darin, 
.(a, wir slossen nicht einmal anfgelegenlliche Durchstreichungen einzelner 
Worte im Texte, die bei Originalhandschriften geradezu unvermeidlich 
sindj zumal wenn sie solch grossen Umfang annehmen. Dieser Umstand 
muss doch unsern Zweifel an der Originalität der wiedergefundenen 
Handschrift erwecken. 

Dazu scheinen noch andere Gründe dafür zu sprechen, dass die er- 
haltene Ilandschrin. Kopie ist. Wie wir bereits oben sahen, berichtet 
uns Strobel, dass die zahlreichen Malereien der Saladinschen Chronik 
von der Hand des geschickten Brentel herrühren. Es geschieht dies 
nicht scblussweise, sondern Strobel stützt sich offenbar auf eine direkte 
Quelle. Hat er vielleicht die Originalquelle, das Monogramm oder den 
Namen Brentels an den Malereien der von ihm benutzten Handscbrift 
zu Strassburg gesehen, was an denen der Münchencr Handschrift 
durchaus nicht zu entdecken ist?' Dann müsslen wir annehmen, dass 
es zwei Handschriften der Saladinschen Chronik gab. und dass die 
Münchencr Kopie ist. Auch der Umstand, dass Strobel seine Chronik 
offenbar nicht allzulange vor 1858 in Strassburg gesehen hat, während 
unser Codex sich 18^25 schon in München findet, scheint für eine 
doppelle Handschrift der Chronik zu sprechen. 

Dazu kommt noch ein anderes sehr wichtiges Moment. Die oben 
erwähnten Auszüge, die Andreas Silbcrmann nach dem Zeugnis Fiieses 
aus der Saladinschen Chronik gemacbt haben soll, stehen teils idjcrhaupl 
nicht in unserer Handschrift ', teils zeigen sie Abweichungen mit unserem 



l. Erst nacli Vollendung unserer Ajjsclirift, als der Codex bereits wieder nach 
München geschickt worden war, fanden wir die Strohelsche Notiz, Eine gütige Mitt. 
der Müncliener Bibiiotliek bestätigt uns jedoch, dass ein Monogramm oder Name an 
den Malereien nicht zu finden sei. 

'2. Über das Excerpt Silliermanns an? dem Jahre 1G33 s. oben S. 1 1 , Anm. 1. — 
Kbenso findet sich nicht in unserer Handschrift die Geschichle von den 3 Sonnen mit 
einem doppelten Regenbogen, die am 17. Febr. ir)22 passierte (Friese, S. 115). Der 
.lahrzeltcl von IGOi, den Silbermann mach Friese, S. 19i u. S. 202 Anm.) aus Saladins 
Chronik geschöpft liaben will, findet sich ebenfalls nicht in unserer Handschrift, wie 
auch der Bericht über die Erbauung der Kleinen Metzig 1321 (Friese, 167) nicht in 
ihr zu finden ist. 



- LS — 

Tom.'. H.-iiulzto mIso SiUuM-niaiiii nnon Coilex, in dem er die Berichte 
so laiul, wie sie uns l^-iese ans dessen Papieren milgcl.'ill hal? Dann 
hallen sell)slverständhrh zwei Chroniken Saladins cxisliert, und wir 
müssten die Müucheuer llaudsclirill als eine vorkfn'zle K.^p*»'' dcs^Slrass- 
hurger Originals hczcichncn. -- Wir Nvrkennen kein.iswcgs das Gewicht 
obiger MunienU', wenn wir Irulzdcni Ixdianplen, dass die Munchener 
llandschrilt als Original anzusprechen sei. Wii' liahen (dj.Mi schon nach- 
uewiesen, dass der Munchener Codex, in dem sich .loh. (ieurg Sala.hu 
als Verfasser neuul, hcinahe andcrlhalh .lahrhnnderle in der weihlichen 
Linie der Saladinsehen Familie sicii vererbt hal. Soviel dürlle also sicher 
sein, dass an .leui wiedergefunden.Mi iMünchener Codex ein Saladui 
gcsc'hrieben hat, ein Saladiu, der in Sirasshurg ansässig Nvar. Der 
Codex wurde aber, wie wir im zweilen Kapitel näher darlegen werden, 
im Jahre Wd:) al)geschlosseu. Um diese Zeil ist aber in Sirassbmg 
kein anderer erwachsener Saladiu nachweisbar' als unser Apollieker 
Johann Geoig-. Er allein kann also als Vertasser und Schreiher der 
Munchener llandsehrifl in l^.elracht konunen. IHille aber ucIhmi diesem 
Munchener Codex noch ein Sliassburger exislierl, so wäre gera<le die 
Strassburger llandsehrifl Kopie und die Munchener das Original. 
Die Annahme, dass <lerselbc Verfasser die Chronik doppelt angeferligl 
habe, will uns hei ihrem grossen ümlaiig unmöglich dünken. 

Die Slrohelsche Deschreihimg; der Saladiuschen Chronik [las.-l gairz 
genau auf unsere Münchener llandsehrifl; sie ist schön gesehiiebeu, 
mit kunstvollen Wappen geziert, reicht bis lOil. Somit i^l glaubhall, 
dass die von Slrohel zu Degiun iU^s l'.K Jahrhunderts in Slrassburg^ 
gesehene Saladiusche Chronik identisch ist mil der jetzt in München 
belmdlichen'. Aber nniss nicht Silbeiiuann eine andere Handschrift <ler 
Chronik beiuilzt haben, da er doch Talsachen aus seinem Codex geschöpli 
liaben will, die in unserer Handschrift nicht stehen? Der Scidnss wäre 
etwas voreilig. Ist doch zu bedenken, dass Silbermann seine Auszuge 
aus sehr verschiedenen llaudschrifleu machte; leicht konnte er daher 
den Namen Saladins zu einem Kxcerpl gesetzt haben, das inWnkhch- 
keit aus einer anderen IJandschrift slaunnt, zumal ja anzunehmen isl, 

3. s. unten bei der Genealogie Saladins. 

4. Strubels Angabc. Drentel sei der Maler der \Va[)pen beruht also auf einer 
anderen Quelle als dem Codex selbst, freilich enihalten die nachgelassenen l'apiere 
Strubels, die auf der Stadtbibliolhek zu Strassburg aufbewahrt werden, «liese Quelle 
ehensoweiüg, wie sie uns sonst irgendwie bezeielinet ist. — Auch niuss er <ien Codex 
spätestens ca. IS'2ii eingeselieii halten. 



— 19 — 

dass der Orgelhauer mehr die Tatsache als ilcn Namen des Bericht- 
erstatters beachtete; auch dürfte er die Auszüge in ziemlich hohem 
Aller gemaehl haben uml nur durch den Tod an ihrer Publikation 
gehindert worden sein', llauplsehuhl an der unrichtigen Wiedergabe 
der Saladinsehen Derichlc trägt olTenhar der Herausgeber Friese, der 
uns geradezu Ty[)us des biederen und fleissigen Dilettanlen zu sein 
scheint. Ihm kommt es nicht auf die Talsache, sondern auf das für 
seine lein hafte Absicht beimtzbare Beispiel an. Häufig knüpft er die 
Nulzanwendung an, nachdem er die erzählte Tatsache dafür zurecht 
modelliert hat". Also auch die Abweichungen der Silbermännischen 
Excerpte sind kein imühersleigliches Hindernis, die Münchener Hand- 
schrift als Original anzuerkennen. 

Dass misere Handschrift keine Durchslreichungen und Korrekturen 
aufweist, setzt allerdings ein ziemlich sorgfältiges Concejtl voraus. Es 
isl auch nichts natürlicher als das. Stellte man doch eine kosthare 
Familienchrotnk her, die man von einem geschickten Künstler ausmalen 
liess und der ein kunstverständiger Duchbinder eiti schönes, ja prächtiges 
Cewand gab; s(dl)Stversländlicli sorgte man dann auch dafür, dass die 
Schrift sauber und korrekt war. [:n\i\ dazu bedurfle es eines ausführ- 
lichen Conceptes'. 

Den letzten Zweifel an der Originalität der Saladinsehen Chronik 
behebt unsere Beobachtung der doppelten Verfasseischaft derselben, 
die wir im Fohenden näher darlegen werden. 



5. Silbermann starb 1783 im Alter von 71 Jahren. 

G. So erzählt Saladin, dass ein Knabe daran gestorben sei, dass ihm eine Schlange 
aus dem Halse kam. Friese setzt jedoch hinzu, dass dieser Knabe unvorsichtiger- 
weise im;(lrase geschlafen habe, wobei die Schlange ihm in den Hals gekrochen sei, 
um vor unvorsichtigem Schlafen im Grase zu warnen. 

7. Die Annahme, dass Silbermann dieses reichere Concept zu seinen Excerpteu 
benutzt habe, gäbe zwar eine recht plausible Erklärung der Abweichungen der Aus- 
züge, scheint jedoch unrichtig zu sein. Denn warum sollte das Concept bis IG33 
gegangen sein, wälirend die Ueinschrin, für die es bestimmt war, schon IG-Il abbricht? 



11. Kapitel. 

Abfassung der Chronik. 

§5- 
Die Saladinsche Chronik liat zwei Verfasser. 

Der nn^ vorliegende Münclicner Cndex zeigt l)ei genauerem Sliuiium 
,wei ver.cl,io(lene llandsclirillen. IIicri<!,er kann kein Zweifel sein da 
man den Unlersrhied der Srlirift beinahe an jedem Buchslaben, besonders 
aber an den P,nchslabcnverbindnni:cn genan beol.acble., kann'. Auch 
ist die zweite Srbrifl kräftiger und gieichmassiger als «lic erste. H.e 
|,i„ienfülnnng dos zweiten Schreibers ist gerade, wahrend die des ersten 
matiche Kriimmnngen anfweist. Pie tjbersohriften des letzten Schred,ers 
zeigen Minuskel von druckähnlicber Exaktheit, während beim ersten 
Schreiber Text und Überschrift gleich geschrieben sind. Auch wendet 
der zweite Schreiber im Gegensatze zn seinem Vorgänger voni.lahrc lß14 

ab rote fberschriftcn an. 

Mit dem .\u2enbhcke, wo eine andere Schrift in unserer Chronik 
eintritt ändert' sich auch plötzlich die Orthographie und bleibt bei 
dieser Änderung durch den ganzen Ucst der Chronik bestehen. Wenn 
auch in der damaligen Zeil die deutsche Orlhograpbie fast jeder 
Konseqiicn/, und Kegel entbehrte, so gewöhnte sich doch ein Schreiber 
daran häufig vorkommende Worte stets gleich zu schreiben, und wir 
dürfen schon bei plötzlicher .\iiderung der Orthographie dieser \Vorte 
auf einen neuen Schreiber schliessen, wenn diese .\nderung dann 
dauernd beibehalten wird. Auffallend ist die Verdoppelung des nn', 
„nd die Schreibweise des Diphthonges eu und an'. Auch wendet der 
zweite Schreiber sehr häufig ck mit Ibigeudcni b an, wo wir beim 
ersten nur einlaches k sehen'. 



1 Per zweile Sciireibei- sclirelbl liiUilii: .lio llaclislal.,Mi I, vn,.l f fmy. scluif, was 
xvi,' beim erste. Scluciber nie beobacl.ten. .UifTiltlig nnlersclieiden siel, die llucbslabcn 
XV / und A niul die imchslabenverbindungeu dl und 11. ncf erste verl.in.lct durch eine 
Schleife d ndl I, «s der zvveile nie lut; dieser schreibt ,n«ch cl, \u> der cr.-itc U 

gesclii'iebcu. , , . ,. ,, 

2. Der zweite .sehreibl : vnndl, gesauudi, vvillenu, scinncr i.-,S.=,'., teinudl, gesunudi, 

I.anudt, seinndt (587;, wo .-icli der erste mit einem u liegnügl. 

i. Der ersle schreibt ew. aw ifewer, fraweni, der zweite ,lageg. n euw, auw 

ireüwer, frauwcnl 

:,. Der erste lial Jiinlicr, der /.weile .luniukhev. 



5/ 



— "21 — 

Nach diesen äusseren Merkmalen müssen wir dem ersten Schreiher 
die Erzählung über die Zeil von der Gründung Stra^sburgs bis zum 
1/,. Juni 1011 (Fol. 9-585f) zusprechen. 

Den. zweiten Schreiber lallen zu: Titelblatt und Vorrede (l-Xll , 
die Aulzählung der Sehens- und Merkwürdigkeiten Strassburgs (1-8), 
die nerichlerstaltung ,über die Zeit vom 1.5. ,luli Ritl bis zum 
20 Dezember 1021 (l8r.i'-713)«, das vierlache Hegister am Schlüsse 
der Chronik (7-25-760) und zahlreiche Nachlrägc zu den Berichloii 
des ersten Schreibers""-». 



6 Die fa^inicrung der Chronik von 1-713 rührt von einer Hand, also der des 
.weiten Schreibers her. Dies sieht man noch deutlicher daran, dass der ers e schreibe 
Seite 9 be..iuut. Er halte die Kustoden eines Ouaterns an. .iuloren ttande lu.t den 
b,::"!!^" B. . 7.. Aa, bb. . ?.. -Vu,. . 7... Uer erste buchs.abe .. steh, auf Se.te . 

7 blau 127 ist aus irgend einem ürunde von dem zweiten Schreiber enlterut, neu 
eingesetzt u..d beschrieben xvordeu. Er führte jedoch den Sal., den der erste Schreiber 
auf Seite 126'' angefangen haUe, zu Ende. 

Erster Schreiber 42Ci>: -Da wardl der 

Zweiler Schreiber 127; -Vertrag gemachl ' 

Ollenbar hat hier der ersle Schreibor dem zweiten als Vorlage gedieul. 

8. Diese Nachtruge linden sich nur da, wo der erste Schreiber riatz gelassen hatte 
„„d bestehen n.eist in der stereotypen Wiederkehr des Jahrespre.ses der V.ucl.t 
: e IIb Lkhen, Gerste... Habern.) und des Weins, ttie und da ^1"^ -h ^..,zen 
anderer .\rl darunter zu linden. Die Xachlräge fallen sofort ins .\uge duic.i d c rote 
Wn na wu- diese erst von .011 ab in der Chronik antreffen, so s.nd diese 
NLhSe Sicherlich frühestens tCtl geschrieben. Es «ndel sich ,..„, auf folgenden 

Seiten 

ein Nachtrag : 

S. „5, .l:,^ tl5'., 117-118. . l'A 13U, 151W ' ^■^. '«'V^.;-'^' 'ÜV ^ 
220, 221K 23- 213'., 245", 2G1, 200'., 208'., 304^ 308'., 31 ^ " - 3 o2o , 

356 350'.. :101'., 363, 365. 3«.J^ STf, 373. 37i^ 375, 3^^. 3'^' . «8;/" -, ^, 
122, 441, 151, 453, ■.63. 160, 168'., 170^ 172, 181, m, .9., 53:,, .o7, 55, , 5,8 , 

5(J0, 500''; 

zwei Naclitiäge: 

, 82 222 '>n" 24i", 296, 312, 33'.. 3i7, 330", 352^ 33i. 36ü>', 3ü8, 372". 374, 
37j^.^":38;.^90:, 39^", 39., 390. 399". .00". 402". 40.". 406", 408. 424", 

427. 'i32"; 

drei Nachträge: 

S. 313, 32S", 330", 311", 361, 302". 371; 

vier Nachliägc: 

S. 31i. 34.1; 

fünf Nachtrage : 

S. 332". 



t 



1 



00 __ 

Untorstfitzl werden wir in .lieser Verteilung der Cliroink nn die 
beiden Selireiber durch die oben erwähnte lieobnchlun- der Ver- 
schiedenheit der 'Wasserzeichen in dem Papiere der Handschrifl. Die 
Blätter, die der erste Schreiber beschrieb (9—585'-), tragen ein 
anderes Wasserzeichen als die Blätter des zweiten (I— XII, 1—8, . 

7-25— 766) ^ 

Es handelt sicli aber in unserer Chronik nicht bloss um zwei Schreiber, 
die nur niederschrieben, was ein und derselbe Veifasser diktierte, 
sondern ganz sicher um zwei selbsländi-e Autoren. Das zeigt einmal .he 
Verschiedenheit des Interesses der beiden Schreiber, intlein wir beim 
zweiten Schreiber eine auffallende Berücksichtigung der Frucht- und 
Weinpreise finden, die den ersten Schreiber kaum interessieren. Das 
zeigt nber noch viel deutlicher die Verschiedenheit des Stiles. Während 
der erbte Schreiber id)cr 200 mal mit der stereotypen Wendung <len 
Bericht eines Jahres begann etwa: 

«Da man zahltt 1460 wardt von der ZunlTl zum Spiegel zum dritten 
«mahl zum ammeister gewählt Herr Jacob Wormbser», lesen wir beim 

zweiten Schreiber: 

«Anno 1012. Alß man zall nach der Gnadenreichen geburlh Vimseres 
«Heylanndts Vnnd Seeligmachers Jesu Christi wardt vonn der Tüeeher 
«ZunlVt Stueben zum Ammeister Erwehlet Herr Wolffgang Grienewald 
«Vnndt Uegicrle dass erste mahl. (588).)^ 

Ferner bildet der erste Schreiber bei einer Reihe von Präpositionen 
die Dative Sing, der zu einem Neutrum gehöi ig(Mi Adjektiva, Pronomina 
und Artikel auf n, während sieh der zweile conform miserm henligen 
Brauche verhält. Genannt mögen sein die Präpositionen an, aus, bei, 

mit, in und von"*. 

Die Sätze des eisten Schnibcrs sind meist sehr einfach, kurz und 
klar, während die des zweiten häulig geschraubt, vielfach sehr lan;,^ 
und daher oft anakoluthenhaft und unklar sind. Diese Unklarheit wird 
noch erhöht durch vielfaclie falsche Bcziehnng.'ii der Fürwörter. Nicht 



9. Zwar heiuitzte noch der zweite Schreil)er von 5H5''-713 das gleiche l'apicr 
xNle der erste Schreil)er, aber dies iialle er mit der Clironil: vom ersten Selireiber 
erhalten, der es bereits angeschafft halte. Schrieb doch der zweite Schreiber noch auf 
dieselbe Seite (SSr)*"), auf der der erste aiifgehürt baUc. 

10. z. r.. «man sah einem Comcton an den Himmel stehen» (13.")^), «auC. diesen 
zergenglichen leben» (UT), «bey den ncwen Ihor» (U8). «mit den Schwert, mit den 
radt gerichtel" {\\'^''\ i-M), «in diesen .lahr, in -emeltcn .lahr» [Wv^'s, «vmi den wci:- 
rnhrcD« (iS.J). 



M>lten fehlt in den Sätzen des zweiten Schreibers Subjekt oder Prädikat"; 
h es tinden sich soixnr Sätze, in denen wir vergeblich beides suchen. 
' Das sind lauter Unterschiede, die gerade da plötzlich auftreten, wo 
sich eine an.lere Handschrift bemerklich macht. Eine solche plötzliche 
Stiländeruir- ein und desselben Mannes ist eine Unmöglichkeit, zumal 
wenn wir umnehmen, dass ein Verfasser gerade da plötzlich eine ganz 
andere Diktion antinge, wo er einen anderen Schreiber engagiert hatte. 
Die doppelte Verfasserschaft unserer Chronik schemt uns hierdureh 

erwiesen. . .. <• i 

Nun kennen wir aber nur den Namen des einen Verlassers, des- 
jenigen, der sich auf dem Titelblatt als solcher nennt. Das ist der 
Stralsburger Apotheker Job. Geoi-g Saladin. 

§ ^3. 
Ist nun Saladin der erste oder zweite Verfasser? 

Da wir den Namen Saladlns an der Spitze der Chronik lesen, so 
könnte man geneigt sein, ihm den ersten Teil zuzuschreiben. Dies wäre 
jedoch falsch. Haben wir cloch schon, auf che Handschriftenvergleichung 
oestützt, die Herstellung des Titelblattes (soweit der Maler nicht m Le- 
u-acht konniii) dem zweiten Schreiber zuweisen müssen. 

hnmerbin könnb' der zweite Schreiber den Namen des ersten auf 
(la<^ Titelblatt geschrieben haben, um ^V^m seinen am Ende zu nennen. 
Vber auch .iiese Möglichkeit müssen wir aussrhliessen. Die am 1:3. Februar 
lOl/i beschriebene Vorrede ist zeitlich und handschriftlich unzweilelhalt 
dem zweiten Schreiber zuzuweisen. Sie ist allerdings mit keinem Namen 
unterzeichnet; aber in ihr b..uft sieh der Schreiber auf das von ihm 
angefertigte vierfache llegister am Schlüsse der Chronik. Und m der 
Tat müssen wir nach der Handschriftenvergleichung diese Begister dem 
zweiten Schreiber zus,)rechen. Nun nimmt auf dem Titelblatt Job. Geoi^- 
Saladin ebenfalls das vierfache Begister als seine Arbeit m Anspruch, 
also ist Saladin der zweite Schreiher unserer Chronik. Dieses Besultat 
lindet seine volle Bestätigung in den Lebensnotizen Saladms, soweit 
solche in Kirchenbüchern und Nachrufen auf verstorbene Familienglieder 
aulzufmden waren. Nach diesen tritt Job. Georg Saladin erst im 



,1 z 1!. «Die Suiten im anzeigen, dal. er... solle i Wochen an Haui:> ideiben 
vnndl dan enigulten stratr, danon 5ü0 f. zuo St. Wilhelmen erlegen soll, auch beneben 
sein stettmeister ampt abgesagt vnnd alier ehren vnndl Emptcr entsetzet, vnndt .st 
.lunckher Heinrich rrechler. . . erwölet. Starb über. . . » (586''— 587.) 



'1\ - 



Fftbriuu- l()ll durch seine lloiiat in Strassburg in die Krscheinun?. 
Es isl nun zum mindesleu sehr unwahrscheinh'ch, dass der landfremde 
Junggeselle die umfassende Chronik einer StadI, in der er nur Gast- 
lechte genoss, gesehriehen und wenige Monate nach seiner Verheiralung 
die Chi'onik einem anderen zur Fortsetzung übergehen habe. Auch lässl 
sich au^ dem Uinslande, dass die Chronik sich in Saladins Familio ver- 
erbte, schliessen, dass er zuletzt daran gesehrieben hat. 

Zur Genealogie der Familie Saladin. . 

Johann Georg Saladiu' stammt aus lleilbronn, wo sein Vater 
Philippus Saladin Sladlphysikus war'. Dieser liinwiedcr isl zu Wimplen 
geboren^ wurde an der Uni\ersitiit lleidellierg am il^. April lo52 
inimatrikulierl, bacc. art. 1551, als Dr. med. in Tübingen inskribiert 
am 29. Mai 1557, Magister am 10. Februar 1558, Sladlphysikus in 



I. Unser Chronist Irä^t den Xameii des bekannten Sultans von Ägypten und Syrien. 
der 1137 zu Tekrit am Tigris geburcn wurde und tl93 zu Damascus starb. Ungefähr 
300 Jahre später stosseii wir auf einen Saladinus Asculanus, wahrsclieinlich von 
Ascoli di Saliano in der apulisdien Provinz Capitanata, südlich von Foggia; derselbe 
war Leihar/t eines Fürsten von Tarent, später (?) auch des Gross-Connetabel von 
Neapel Fürsten Giovanni Antonio de Balzo Ursino. Kr verfassto vermutlich zwischen 
1152—1158 das merkwürdige Apolhckerbuch ; Compendicm aromnlarinnna Salwhid 
principis tarcntbii dioHissimi mnliri,ycvh. \x\U'iQ l i88. (Handschriftl. Notizen in 
dem selir selten Drucke im Bes. der Str. V. Bibl., sowie der Druck selbst.) 

Eine Verwandtschaft oder Abstammung unseres Xlhronisten von jenem Leiltarzt 
lässt sich aus Mangel an Material nicht nachweisen. Beruf und Beschäftigung des Süd- 
italieners passen sehr gut zu unseren Saladins, und deren reger Wandertrieb Hesse 
eine Abstammung der deutschen Familie aus einer italienischen auch erklärlich er- 
scheinen. Dann wäre das Wort Saladin nicht identisch mit dem germanischen Namen 
Soldan, Soldin, verlalinisiert Solaliuus, sondern es wäre eben auf Salah-eddin zurück- 
zuführen, da man in Süditalien, wo die Sarazenen gehaust, den Knaben den Namen 
gegeben haben mag. Erst später hat sich aus dem Vornamen der Familienname 
entwickelt. 

'2. Heinrici (l'fr. zu St. Tliomas in Sirassburg), Leichitredigt auf den Tod der Marga- 
retha Otto (fuittin des Diplomuten Marx OUo), geb. Saladin, 1 28. Äug. IG78. (Str. St. 
Arch. l'rogrammata funcbria 111, 77.) 

3. Leider beginnen die Wimpfener Kirchenbücher erst 1390 und enthalten den 
Namen Saladin nicht. Wir wissen alsu nicht, wann Phillippus geboren wurde. Die 
Saladin sind unter den neuen Geschlechtern Heilbronns genannt in DüRii, ('hro)iili 
von Heilbronn, S. 31. (Vergl. E. v. Loefflku, in Würltemb. Vievleljalirshefte, N. F. XI, 
1902, S. 139, Anm.) 



i 



- ^25 — 

lleilbronn 1565S gestorben vor dem 27. April 1587^ Er war zweimal 
verheiratet; die erste Frau hiess Modesta, die zweite Clara, diese war y 
eine geborene Lutz«. Die Kinder aus beiden Ehen sind: 

I. Ehe (mit Modesta): 
l. Kuphrosyne getauft am 1^2. Febr. 1569^. 

II. Ehe mit Clara Lutz): 

getauft am 21. April I57l)' 
» » 4. April 1577 
» » 13. .luli 1578 
'i. Hans Philipp « >^ -iiJ. Ja»- *580 
5. .lohann Georg: •> » -iO. Nov. 1581. 
Der Letzigenannle ist ohne Zweifel unser späterer Strassburger 
Apotheker und Chronist. In lleilbronn isl über das Schicksal der Familie 
Saladin nichts weiter eingetragen. Die Witwe Clara verheiralete sich am 
9. Februar 1591 mit Nicolaus Maler, Stadtschreiher zu Wimpfen, wohin 
sie nun auch übersiedelte. Dieser zweite Gatte stirbt in Wimpfen am 
29. Juli 1603 und bat an der dortigen Stadtkirche einen Grabstein ^ 



1. Philipp 

2. Philipp 

3. Simeon 



\. Zusammen mit Dr. l'hil. Salutinus wurde Dr. Spitzer als Stadtarzt von Heilbronn 
1563 angestellt. (Gütige Mitt. des Stadt. Archivs zu lleilbronn. DCrh Hesdireibunfj von 
Ucilironii, Bd. II, S. I5(i.) 

:, An diesem Tage wird saiue Witwe erwähnt. 

G Das älteste Ehebuch von Heilbronn fehlt leider, so sind die Familiennamen der 
beiden Frauen aus den Kirchenbüchern nicht zu ermilteln; dass die zweite Frau des 
l'hüippus Saladin eine geborene Lutz war, ersieht man unzweifelhaft aus dem Inventar 
des Caspar Lutz vom 5. Juli 1509 (HeUbronner städt. Archiv). Die oben cit. Leich- 
predigl des Heinrici auf Marg. Otto nennt die zweite Frau des Philippus eine Anna 
..eb Hau'>- Hier muss jedoch ein Irrtum vorliegen. Die Heilbronner Kirchenbucher 
lind für den Vornamen und das citierte Inventar, für Vor- und Familienname hier 
c^anz sicher die zuverlässigeren Quellen, weil sie olllziellen Charakter tragen, und 
weil ihre Niederschrift zu Lebzeiten der Clara Lutz geschab. In der Leichpredigt 
ist also weder Vor- noch Familienname richtig angegeben. Emil von LoefHer hat m 
seinem Aufsatze: Marx Otfo, Vater und Sohn, Schreiner und Diplomal iWüraemb. 
Viertcljahrshefte Pr landcsocsch., N. F. XI, 1902. S. 129-117) diesen Irrtum aus der 
Leiclipredigt nachdrucken lassen. 

7. Das Heilbronner Taufbuch beginnt erst 1567; es könnten also noch 1-2 altere 

Kinder vorhanden sein. 

8. Vor dem i. April 1577 gestorben, da an diesem Tage ein neuer Philipp derselben 

Familie aetauft wird. 

9. Die Notizen über Phil. Saladin und seine Frau verdanken wir einer gutigen 

Mitteilung des Herrn ProL Max Cramer-Heilbronn. 



— 26 - 

Es ist s.'lir wiilirscheinlich, dass der l.ci drr zw.H<m. Vi'rl..'iraluii<; 
seintT Multer erst lOiälin-c iliins Georg in das Haus seines Sliefvaters 
uacli Wimpleu kam. Hier ma- ihm auch wohl die Lust zum Sehred)cn 
eingeimpft wor.len sein. Wie lange er jedoeli dort geldichen ist, wissen 
wir nicht Der Todestag seiner )hiller, der vielleicht bestimmend lur 
die Auswanderung Saladins war, konnte bisher nichl iVstgeslelll werden. 
Hans Georg widmele sieh drm Apothrkerberut; wo er jedoch diese 
Kunst erlernle, entzieht sich cbentalls unserer Kenntnis. Ks ist anzu- 
nehmen, dass er der Sille der Zeil gemäss sich zur grösseren Aus- 
bildung auf die Wanderschalt begab. Dabei ist er auch nach Sirassburg, 
wo schon manche AusliindiM- vor ihm Amt, Würden und Ib-i-litum er- 
langt hatl<Ml•^ gekommen und iial wohl in der Apotheke iies Carl 
aingler in der Oi)erstrassc r,eschiUht>ung und Unlerhall gefunden". 
Wann die Einwanderung Saladins slattfand, ist nicht auirmdbar; sie 
geschah jedoch späleslens im Jahre K'.IO. Denn schon am 4. Februar 
iOll iieiratele er Mngdal.ma, die Tochter des Strnssburger Bürgersund 
Apulhekers Carl llingler und der Margi.relha'' geb. Kirehhofl'er'l Diese 
Magdalena war am 10. Sept. 1591 in der St. Thumaskirehe zu Slrass- 
buru- ^etauft'\ Infolge die'ser Heirat erlangte «Salatinus^^ das Dürger- 
recht'der Stadt am 19. Nov. 1011 ,md m.ddele sich gleichzeitig zur 
Zunft zum Sjiiegel an'\ 



10. Darunter l)clan.i sich uucli srii. ileill)ronncr LaiKlsmaini .lacol. tlorimann. clor 
seit I.Vi-. in SlrasslMii- uar. uml von I .Vi'.) al. -lic l.nhc Wünlo eines Syiiaicus der 
Stadt brsass. Im .lal.re I5i9 verlieirateto er .«^icli mit liri-iilta Sel.ott, verwitweter 
Lindei.fels. (Str. Sl. Are).., M. S.., S. 27; ve,-l. Vu.KEn .md Winkki-.mann, UmvUchriflcn- 
proben drs iü. .fahrlii(n<lerts nach Slr.i.sshnnjrr Orifjinn/rn, P.d. 1, Tafel :'.:!. l^d. II, 
Nachträge /u Talel ;i ;. und UphnheL VrrzeichnU der Slrassbnr<jor Mao>s/rnfsprrsouen, 
M. auf der Sic. St. Bild. M. :1GG.) 

1 1. Milieres s. unten. 

12. Tauf- und Hochzeitsbuch von St. Thomas, 1). S. :50US Nr. 88:'.. iStr. St. Arcl... 

.Nr. 2 4s.) 

1:;. Heiiu-ici heichi-redi';! auf .Marg-. Otto lü87 und Str. St. \rcli. M. SC, S. 2 i'', .Nr. liG. 
1',. Tauf- und Hoclizeilshucli von St. Thomas, (1, lu77. (Str. St. Arcii., Nr. 2i7.) 

13. Burfierhuch d.-r Stadt Slrassl.nrg, 11, '.'.l (Sir. Sl. Arcl... Die Apotheker hallen 
sich frnher zu den Consloniern u'onslahuli. Stall.^enossen - Adelige) gehalten ; stand 
es doch den Gelehrten und Apothekern frei, sich /n meiden, wohin sie wollten. Schon 
vor Saladin waren sie i:,Nv.ihnlich Zndicner zur Kaufmannsznnlt, di.' man nach ihrem 
Hans «zum Spiegel'» nannte dorma lei puldicae Argentoralensis delincalio. . . exposita 
per .10. Gasi.. Bcrneo-onnn, 2. Null. il'anlH, Ar^ient.^ p. 157). Bei der Znnlt /.um Spiegel 
dienten neben den kauneuten «>onst allerley Mül.dggänger. (Cod. M. des Mich. Klolnlawel 
auf der Sir. Sl. Bdd.i, wozu ausser den (lelehrteu auch die Apotheker gerechnet wurden. 



- 27 — 

Wir wollen hier gleich eine Unslimmigkeil, die dem aufmerkcnmen 
Leser sicherlich nicht entgangen ist, zu erklären versuchen. 

Auf dem Tilelblall bezeichnet sich Johannes Georgius Saladinus zum 
Jahre lOlO als Bürger, was er doch erst Ende 1611 wurde. — Wie wir 
mjch näher zeigen werden, ist dieses Titelblatt in Verbindung mit dem 
Maler erst ca. 1615 hergestellt worden. Dass die Jahreszahl MDCX durch 
ein Versehen auf das Titelblatt gekommen sei, will uns bei der sonst 
so sehr sorgfälligen Ausführung zumal an dieser hervorragenden Stelle 
nicht recht glaubhaft dünken. Wahrscheinlicher bezeichnet die Zahl das 
Jahr, in dem der erste Schreiber die Chronik zu schreiben begaim. 
Allei'dings müssen wir dann auch annehmen, dass Saladin diese Jahres- 
zahl vom ersten Schreiber übernommen, dass sie also auf einem von 
diesem angefertigten Titelblatt schon gestanden hat, welches Saladin 
später durch ein neues und sicherlich schöneres ersetzte. 

Ans .ler Ehe Saladins mit Magdalena Ringler wurden unserem Chro- 
nisten folgende Kinder geboren und zu Sl. Thomas getnuft: 

1. Margrelh gel. am ^2-1 Sept. 1012^^ 

» 21. Juli 161i'^ 

. 18. Mai 1010'^ 

, 1. Nov. 1621'^ 



2. Magdalena 

3. Margaret ha 
A. Job. Carolus 






IC Taull,. St. Tliomas I). Nr. 228 i (Sir. St. Areh. N. 2i8). Margret!, ist sicher vor 
doiu IS. Mai ICH« gestorlien. da an diesem Tage eine an.lere Tociiter Saladins auf 
diesen .Vanicn getauft wird. 

17. Dasselbe Taull. ucli (Str. St. ,Ut1i. .N. 2 181 Nr. 2102. 

18 «tr »^t \r.l, N. "18, \r. 2920. Slargarctlia wurde geboren am 11. Mai IGIO 
(Heinrid. beiclipredigti; .sie Heiratete an, 12. De.. Ir,:l7 den "''• ""■ i;-;'- /'"" °''; 
aus Ulm. damals In.pekter der Kan.lei der Stadt Sirassburg .Tauf- und llocli.eitslmcli 

von St. Tb as, K, S. ;il im Sir. St, Areb., und lleferent K. E. grossen Rates, verlor 

ilireii Mann naeb 37jiilitiger gbicklielier, aber kinderloser Khe (lieinrici, l.eicbpredigt 
auf Marx Ollo, t u:ru Str. St. Arcli.. hogr. fnnel.r. 111, 7TI, starb naeb .jahnger 
Witweiiscbaft am 2.^. August 1078 iiin lu Ubr abend., „.ul wurde an, 1. September 
auf den, Friedhof St. Gallen begraben. (Str. St. Ai-ch. X. 251 und Heinrici, Leicb- 

nredifft auf Marji. Ollo, 1078.) , . , ' 

,9 SIr. St. Areb. N. 2i.s, .Nr. ..ITS. Geboren war er an, 28. Ok,. IC2I. absolvierte 

das Strassburger Gvmuasiam an, 12. Juli 16:10, erlernle 7,u ITm bei Meisler Cbr.sfan 

',,,,..,„ ,r\i, iiir-Ii iu^stinr" ICil nae 1 München und 
Zachemann die Apolhekerknnsl, reiste 10 ,0 iiai.n Au„snui^, lui 

liegen.burg. Von hier rief ihn sein Vater nach Slrassburg ..nibk, doch blieb er „u, 

1 1 Tage .„ Hause, reiste nach frankfurt, Win, Holland, lia.nburg und .uruck nach 

Frankfurt. In dem nahegelegenen Hanau war er sodann eine Zeit lang lalig. Im ahre 

,0i:, errichlete er eine Apotheke .„ Straubing, gab sie jedo,!, in, folgen en hre 

wieder auf, deun der NVandctrieb l.lhrte ihn nach Wien, Venedig, ladua, llom. 



— 56 - 

Es isl, selir waliischoiiilicli, (l:iss der l.ei der zwriloii Vcrli.'iialiin- 
seiner Muller ersl lOiahrige Haus Geoi- in das Haus seines Stiefvalers 
nach Wimpleii kam. Hier mai- ilun aueli wohl die Lust zum Schreihcn 
eingeimpft wür(h^i. sein. Wie lanoe er jedoch dort gchlit-hen isl, wissen 
wir nicht. Der Todeslao seiner )hiller, d.M- vielleicht hestimmend lür 
die Auswanderung Saladins war, komii.! hi>licr nicht festgestellt werden, 
lliins Geor- widmete sich dem Apothrk.Mhernf; wo er j-mIocIi diese 
Kunst erlernt.', enlzielit sieh ehenlalls unserer Kenntnis. Ks ist anzu- 
nehmen, dass er der Sitte der VAl gemäss sich zur grösseren Aus- 
l)lldung auf die Wanderschalt hegah. D.ih-'i ist er auch nacii Slrasshurg, 
wo schon manche Ausländer vor ihm Amt, Würden und Ih-irlituni er- 
langt hatten "\ gekommen und hat wohl in der A|.olh('ke i\cä Carl 
liingler in der Ohersirasse lleschäfiigmig und Unterhalt gefunden*'. 
Wann die Kiuwandernng Saladins >lattland, ist nicht authndhar; sie 
geschah jedoch spätestens im Jalnv ICK). Denn schon am A. Fehruar 
iOM heiralele er Magdalma, di.' T.xlit.'r des Slrasshurger Bürgersund 
Apothekers Cail llingW- und drr Margarcllia" geh. Kirehhoffer'l Diese 
Magdalena war am 10. S.'pl. l.V.M in der St. Tlu.maskirehe zu Strass- 
hurg g.'tau(r\ Infolge dieser Heirat erlangte c(Salatinus>^ das lUirger- 
recht'der Stadt am \\). Nov. KUl und mehlele sich gleichzeitig zur 
Zunft zum Spiegel an'^ 



10. Danii.ler belan.l sich auch sein lleill.ronücr l-andsmaini Jacol. Herrmann, dor 
seit 15't:. in Strasslniri: >var. nw\ vui. IVi'.) ah -lie l.ol.c WüihIo cine.s SyLulicus der 
Stadt besn>s. Im .tal.re I5i9 verlieiiatete er siel, mit Üri^illa Schott . verwitweter 
Lindeiifcls. (Str. Sl. Arch.. .M. 8:., S. 27; ve.gl. Vu-KEIx und \ViMa:r.M ^^•^^ Wnidschriflcn- 
proben drs 10. .htlirlniH'lcrls „ach S/rassbnn/rr (h'Ujiiwh'ii, VA. I. T.ilel :!:'.. l'-d- H- 
Nachträyc /.u Talel :! ;, und \li,hahoL Verzeichnis drr Slrassbnr<jer Maois/n>f^prrsouen, 
.M. auf der Sir. St. I]il»l. M. ;500.) 

1 1. .Niiheres s. unten. 

\2. Tauf- und lio. Iizeitsbu. h v,ni St. Thomas, \). S. :J09», Nr. SS::. (Str. St. Arch.. 

.Nr. 248.) 

1.1. IhdruTci hei.-hpredi^l auf .Mar^;-. Otto 1087 und Str. St. Vr.li. M. 8«;, S. r.", Nr. (IG. 
\\. Tauf- und HochzeilslMich von Sl. Thomas, C. 1077. (Str. St. Arch., Nr. rJ.) 
13. Burf^.rhn.di der Stadt Strasshury, II, '.i . I (Sir. Sl. Arch.. Die Apotiiel<cr hatteu 
si(di froher zu den Constomern iconslahiili, Slalli:ouosseu -- Adelige) -ehalten ; .-^taml 
,.s doch den (iehdirlen und Apothekern frei, sich /u melden, NNohin .sir Nvolllen. Schon 
vor Saladin waren sie Gewöhnlich Zudinirr /.ur Kaufmann.<zunfl, .lie man nach ihrem 
Haus ../.um >pie^el" nanidr lorma ici i-uldi.;«- Argentorateiisis dcliucatio. . . exposita 
p.r .10. Casp. hcrn.-frerum, J. Aull. il'anlli, Argenl.), p. 157). hei der Zunlt /um Spiegel 
dienten neben den kannculen ..>onsl allerley Mul.dgganger. (Cod. M. des .Mich. Kloi.dawel 
auf der Str. Sl. nd)l.:, wozu ausser d.ii (lelehrtCii uucli die Ap.dheK.-r gerechnet wurden. 



I 



i 



- 27 — 
Wir wollen hier gleich eine Unstimmigkeit, die dem aufmerksamen 
Leser sicherlich nicht entgangen isl, zu erklären versuchen. 

Auf dem Tilelhlall bezeichnet sich Johannes Georgius Saladinus zum 
Jahre lOiO als Bürger, was er doch erst Ende 1611 wurde. — Wie wir 
noch näher zeigen werden, ist dieses Titelblatt in Verbindung mit dem 
Maler erst ca. 1615 hergestellt worden. Dass die Jahreszahl MDCX durch 
ein Versehen auf das Titelblatt gekommen sei, will uns bei der sonst 
so sehr sorgfältigen Ausführung zumal an dieser hervorragenden Stelle 
nicht recht glaubhalt dünken. Wahrscheinlicher bezeichnet die Zahl das 
Jahi', in dem der erste Schreiber die Chronik zu schreiben begann. 
Allei'dings müssen wir dann auch amichmen, dass Saladin diese Jahres- 
zahl vom ersten Schreiber übernommen, <lass sie also auf einem von 
diesem angefertigten Titelblatt schon gestanden hat, welches Saladin 
später durch ein neues und sicherlich schöneres ersetzte. 

Aus der Ehe Saladins mit Magdalena Ringler wurden unserem Chro- 
nisten folgende Kinder geboren und zu St. Thomas getaua*. 
1. Margrelh gel. am 21 Sept. 1612**^ 
± Magdalena » » 21. Juli 1614" 
S. Margarelba )~> ^ 18. Mai 1619'' 
4 Job. Carolus )> )^ 1. Nov. 162P^ 



Iß Taufb. St. Thomas D. Nr. 228 i (Str. St. Arcb. N. 2i8). Margreth ist sicher vor 
dem 18. -Mai IGP) gestorl)en. da an diesem Tage eine an.lere Tochter Saladuis auf 
diesen Namen getauft wird. 

17. Dasselbe Taufbuch (Str. St. Arch. iN. 2i8) Nr, 2iG2. 

18 Str St \rch. N. riS, Nr. 292(]. Margaretha wurde geboren am l 'i. Mai IGIO 
(Heinrici, heichpredigt,; sie heiratete am 12. Dez. l.i:>.7 den Dr. ulr. jur. Marx Otto 
aus Ulm. damals In.^pektor der Kanzlei der Stadt Slrasshurg (Tauf- und llochzeitsbuch 
von St. Thomas, K, S. 211 im Str. St. Arch., und heferent E. E. grossen Rates, verlor 
ihren Manu nach 37iid,riger glücklieher, aber kinderloser Kho (Heinrici, Leichpred.gt 
auf Marx Olto,t MiT'.. Str. St. Arch.. l>rogr. fnnebr. III, 77), starb nach ijahr.ger 
Witwenschaft am 28. August IC78 um IG Uhr abends und wurde am 1. September 
auf den. Friedhof St. (fallen begraben. (Sir. St. Aixh. N. 251 und Heuir.c, Leich- 

nredigt auf Marg. Otto, 1078.) , , • , ' 

19 Sir Sl ^rch. N. r.s, Nr. :;I78. Geboren war er au. 28. OU. 1C2I, absolvierte 

das Str^sJbu.^er Gynu.asium au. 12. Mi )C:;G, erlernte zu lim bei Meister (Christian 

Zachemann die ApoU.ekerk.mst, rei.<te IG'.O nach A..gsburg. IGil nach München un.l 

Regensburg. Von hier rief ihn sein Vater nach Slrasshurg zurück, doch Id.eb er nni 

11 Tage zu Hause, reiste nach Irankfurt, Köln, Holland, Hamburg und zurück nach 

Krankfurt. In dem nahegelegenen Hanau ^var er sodann eine Zeit lang tähg. Im ahre 

um errichtete er eine Apotheke zu Straubing, gab sie jedoch im h)lg^nden .ahre 

.ieder auf. denn der Wandertrieb l.ihrle ihn nach NVien, Venedig, l'adua, llom. 



tl8 — 



* 



5. Anna Maria >> « 30. Nov. \\}W 

0. Barbara * » 17- Mai 1027^' 

7. Salomc » » IV. M;ü lü.")!»-". 

Mit oi'osser Sicberhiil iliuien wir annehmen, dass Job. Georg Saladin 



llorenz, Genua, und iiadulem er mücI» 10 Monate in Lyon zur Krlemung drr Sprache 
lies Landes zu.irebraclil liatte, kehrte er im Dezember KiiG nach Strassburg- zuiticix. 
Dort half er seinem Vater in der Apotheke, die er nach dessen Tod übernahm. Von 
1653 ab durcldiel er als Kandidat der Zunft zum Spiegel die politischen Ander der 
llcpublik Strassburg. Am 20. Mai 1067 uird er schon eines Uatos aller üeisitzer 
(Str. St. Arch. N. 2-U). 1673 Allniendherr und alter Dreyer auf dem l'fennigturm 
genannt. iBerxi:gger, f)es heil. Rom. Reichs Freyer Sladt Strassfnn-r, Reoiments- 
vevfassunij, 1079, p. 08.) 

Im Jahre 1079 wird er Mitglied des XXIcr und 1080 des Wer Kollers. In den 
schwierigen LiiulV-n des .lalues 1078 unternahm Joli. Carl die Gesandtschaft des Rates 
an den Herzog von Lothringen zu Opponau und führte mitten durch das französische 
Heer den Grafen Piccolomiui und den Baron Mercy glucklich in die Stadt. ^Nachruf 
des Rektors J. Alb. Scbilzius, Progr. fuiicbr. l'iSO, Nr. 7! der Str. U. Bibl.; vergl. auch 
Reuss, Reisseiseus Aufzeichmuioc, p. 74.) Er starb am 8. Okt. 1680 kurz vor 1 1 Ihr 
abends, sein Leichenbegängnis fand am 11. 0kl. von der Zunftstube zum Spiegel aus 

statt. (Progr. funebr.) 

Joh. Carl Saladin war seit dem 24. Febr. 1630 mit Ursula, Tochter des Dreiers 
auf dem Pfenniglurm Iranz Gameel, verheiratet. (Str. St. Arch. Hochzeilsbuch des 
Münsters.) Aus dieser Ehe stammen folgende Kinder: 

1. Margaretha Ursula, get. im Munster den 13. .Nov. 1050 (Str. St. Arch, N. 220, S. 394). 

2. Anna Barbara, get. am 5. April 1052 (Str. St. Arch. N. 220, S. 431»'). 

3. Anna Salome, get. am 31. Mai 165 4 (Str. St. Arch. N. 220, S. 'i86'>). 

4. Joh. Georg, get. am 12. Februar 1G5G (Str. St. Arch. N. 221, S. 4). 

5. Joh. Carl, get. am 2. Aug. 1659 (Str. St. Arch. N. 221. S. 84*'). 

G. Johann Adam, get. am 15. Sept. 15G1 (Str. St. Arch. N. 221, S. 126). 

7. Anna Magdalena, get. am 20. Mai 1007 (Str. St. Arch. iN. 222, S. — ). 

Johann Georg und Joh. Carl gingen ilirem Vater im Tode voraus, Job. .\dam. seine 
Töchter und seine Frau überlebten ihn. Seine älteste Tochter Margaretha Ursula hatte 
iiim bereits aus der Ehe mit Christoph Güntzer, J. U. D.. Sekretär des Xlller Kollegs, 
zwei Enkel geschenkt, doch nur Christophorns überlebte seinen Grossvater. Sein Sohn 
Johann Adam, der einzige männliche Träger dieses Namens im Jahre 1680, hat den 
Namen Saladin in Strassburg nicht fortgepflanzt. Doch fmdet sich der Name Saladin 
in Frankreich und in der Schweiz wiederholt bis in unsere Zeit. Es schien uns jedoch 
über den Rahmen dieser Einleitung zu gehen, die Familie weiter zu verfolgen. 

20. Str. St. Arch. N. 249, S. 112. 

21. Ebenda, N. 2 49. S. 35 4. Sie verheiratet sich später mit Mathias Strohni, "Prin- 
cipis Würtenbergiei Montisbelgardensis Consiliarius», wird am 5. April 1G52 noch 
Jungfrau genannt. (Str. St. Arch. N. 220, S. 431''.) 

22. Str. St. Aldi. N. 249, S. 753. Es ist das jüngste Kind unseres Chronisten und 
am 31. Mai 105 4 noch ledig. (Str. St. Arch. N. 220, S. 486^) 



il 



— ^0 — 

(He Apotheke seines Schwiegervaters Ringler übernahm ^\ Im öffenl- 
iichen Leben scheint Saladin, zumal er Ausländer war, zunächst nicht 
sondorlich hervorgetrelen zu sein. Er wurde scheinbar erst im hohen 
Alter in den Rat gewählt. Die erste Nachricht hiervon erhalten wir 
erst im Jahre 1650, wo er eines ehrsamen Rates aller Beisitzer ge- 
nannt wird^^ Über sQine Tätigkeit im Rate oder über sein sonstiges 
öfienlliches Auftreten in der Stadt erfahren wir nichts. Obwohl sein 
Sehn Joh. Carl seit 1646 in der väterlichen Apotheke tätig war und 
1650 sogar einen eigenen Hausstand gründete, so behielt der Vater doeh 
die Apotheke bis zu seinem Tode^^ der ihn in dem hohen Alter von 
nahezu 75 Jahren am 7. Februar 1656 um 5 Uhr abends ins Jenseits 
rief. Am 11, Februar wurde er auf dem Friedhof St. Galli vor Strass- 
burg zur Ruhe gebettet ''. Am Tage dai^auf (12. Februar 1656) wurde 
im Strassburger Münster sein erster Enkel auf seinen Namen 
getauft-'. 

Die Lebensgefährtin unseres Chronisten sahen wir am 17. Mai WA 
noch am Leben. Da die Totcnbücber von St. Thomas, die von 1651 
ab geführt werden, ihr Hinscheiden nicht mehr berichten, so ist sie 
sicher vor 1651 gestorben. Andere Angaben über sie sind nirgends 
auOl 11(1 bar. 

§ 8. 

Die sonstige literarische Tätigkeit Saladins. 

Der literarische Eifer Saladins ist nicht bloss auf unsere Chronik 
beschränkt. Gegen Ende derselben berua er sich auf seinen Traktat 
über den Krieg Spinolas in der Pfalz, und auf sein Pas.juillenbuch 



23. Die Familie Ringler war eine Apothekerfamilie. Der Vater des Carl K.. Jacob, 
war Apotheker. Ausserdem weisen Strassburgs Kirchenbücher noch mehrere Apotheker 
mit dem Namen Ringler auf, die wir teils noch unten zu berühren haben. 

Die Zahl der Apotheken betrug damals fünf. Norh 10R2 erscheint ein Mandal , das 
bestimmt, dass diese Fünfzahl beibehaKen werden .<oll. Erst 1746 wird die sechste 
Apotheke errichtet. (Protoc. der XXl. 1740, S. 159 u. 109. .^tr. St. Arch.^ 

24. Str. St. Arch. M. 120 '2i. Febr. 1050). Dieselbe Bezeichnung erhält er nmih 
zwei weitere Male in den Kirchcnbiichern, nämlich am 5. April 1652 iSlr. St. Arch. N. 220, 
S. .43f') und am 31. Mai 165 4 (Str. St. Arch. .V. 220. S. 486«^; ausserdem Heinrici, 
Leichpr. auf Marg. Otto, 1078 und Progr. funebr. 1080, Nr. 71 der Str. ü. Bibl., 

25. Sebitzius, Nachruf auf Joh. Carl Saladin 1080. (Progr. funebr. Nr. 71 der U. Bibl.) 

26. Kirchenbuch von St. Thomas. (Str. St. Arch. N. 250.) 

27. Str. St. Arch. N. 221, S. 4. 



:W — 



II 



Über die Union, das mit Kupfeisliclien gebcliinückl sei'. I5eidt3 Werke 
könnlen für uns von der «rrüsslcn Hedenlnng sein, zntnnl die Krohening^ 
der Pfcdz durch S|>in(d;i sehr ansfüln-hch -»esehilderl \vai-. I.eidcr aber 
sind sie versehollen oder verloren; wahiseheinlicli haben sie überhaupt 
nur haudschrifllieh exislierl. /war erwähnt Sala.lin 707'') «ein klein 
büclilein von einem bogen, in dem stundl anf jedem blatt die Verrieh- 
tung Jedes Jalir.'S dei- Vnion-. da.> dem Ahirk-rafen von Anspach, «der 
Vnion gewesenem Ceneral^ versiei;elf von einem üidiekannlen 10-21 
überreicht wmde. Auf dem lol-endem Ulalte (708) gibt Saladin sogar 
Tilel und Inhalt jenes Büchleins wieder'. Nun wären wir ja geneigt, 
unter diesem salirischen Scherz das von Saladin verlassle Pascjuillen- 
buch zu veistehen, wenn nicht die Kn|>ferstiche in dem Drucke lehllen'. 
Gleichzeitige Traktate über den Krieg Spinolas in der Pfalz ,10-20 
bis 10-21) existieren allerdings. Soweit sie uns zu Gesicht kamen, smil 



i 



1. Diese Stellen lauten \vörtlicli : 

«\Val5 Spiiiulu Weiters vernchtet ist in meinem anderen tractat alles anUfiiilicii 

bcsdiricbcn alle Slatt, dorllcr wal. er eiubekominen, auch lindet man im l'ai,Squillen- 
bucli alles in Kupfer ordeullich verzeichnel, weil es dil.) Klsas nil l.otruncn, liab ich 
es auch nil hierein verzeichnen wollen" iG'»!)''). 

n. . . ist also die Vniim jieslorbcn, auch begraben . . . in meinem andern tractat 
würdt man von diesem Kriegswesen weittlaullig llnndeii, wie im l'al'.iiiiillonlmch die 
Kiipt'erstuckh» 1703''). 

«A115 die Vnion gestorben Ynmlt begraben dauon lise meine Kupferstickh im l'ar.- 

quillcubuch • (7ÜÜ). 

• Da die Stiitt von der Vnion getlioii, ist dcroselben die Samader abgehauwen 
worden, daliero sie schwach wonlenn Vnndt wie solches in Kiinfcr ist aui:>gangen 
besihe mein PaUqaillenburh wirsis ordentlich linden» (Tel''). i:s luuidelt sich ganz 
deutlich um zwei Werke, von denen das eine ziemlicli umfangreich gewesen zu sein 
scheint. 

Z Der Tilel laulet (abgekürzt): 

■Triumphus L'nionalis, daß ist ordentliche ... vnndt gewiciöe Verzcichmis, was die 
samptliche Vnirtcii von Anno l(il8 . . . bii:. aulV inslehendez IG2I Jahr . . . loblich . . . 
verrichtet. Teutschlandt zucr Nachrichtung vndt lleüMges Nachfolgens für Augen ge- 
slellt durch l'alientem AilcITectiuum nobilem Irancicum. Gedruckhl MDUXXl.» 
Der Inhalt laulet (vollständig) : 

..Anno 1618 nichts, Anno 1G19 gar nichts, Anno 1G20 Vberall nichts, Anno lG2t 
durchaus nichts. Summa Summarnm 0.« 

3. Die uns vorliegenden Drncke der Kgl. lUbliothek zu Berlin und der Sfadlbibliothek 
zu Frankfurt a. M. (die Strassburger Bibliotheken besitzen den Druck nicht) enthalten 
lediglich das, was Saladin Seite 708 seiner Chronik wiedergegeben hat. Oirenbar 
stellte in Saladins Pasquillenbuch ein Kupferstich den Tod einer IN-rson, ein anderer 
ihr r.egriilmis dar. T(»d uml negräbnis der Union zu vcrsinnbilden. 



- 31 - 



sie pseiidonvm oder anonym'^; alle rühren höchstwahrscheinlich von ein 
und demselben Verfasser her. Dieser ist jedoch nicht Saladin. Die 
Gitation der Hibcl (l^xod. 22, Ps. 81. u. 02., Apoc. Li. 17. u. 18) könnlen 
wir sehr wohl auf Saladin zurückführen, da er ein guter Bibelkenner 
ist wie wii- gleich sehen werth-n. Auch könnte man die zahlreichen 
lateini^chen Sl(dlcn, die zum Teil aus Klassikern stammen (Ouirpnd 
delirant Ueges. pleclimlur Archivi), als Saladinisch gelten lassen. Aber 
das in den Traktaten angenommene rhetorische Palhos ist dem Schreiber 
unserer Ghronik nicht zuzutrauen. Auch lindet sich kein Anklang in 
diesen Traktaten, weder sachlich, noch in Worten, noch in der Art der 
Diktion, der uns an unsere Chronik erinnerte, und dieser wäre doch 
gar nicht zu vermeiden gewesen, wenn l»eide einen Verfasser gehabt 

hätten. 

Auch Werke, die keinen historischen, ja nicht einmal selbständigen 

literarischen Werl lial)en, sind von Saladins Hand geschrieben worden. 
Seiner Tochbu- Margarelha, Frau des -\hirx Otto, halle er «ein von seiner 
eignen Hand sehr schön und zierlich ja kunsl reich geschrieben ziemlich 
grolies Quarlbneh, von kernhaflen S[.rüchcn 11. Schrift, wichtigen Lehren 
und licilen der allen Kirchenväter imd anderer vornehmen gesunden 
Lehrer, sanipl andächtigen Gelängen und Gebeten hinderlassen)), das 
seine Tochler «als ein herrlieh Krbgnt von ihrem seligen Herrn Vatler 
geachtet» ^ Leider ist auch dieses Erbauungsbuch nicht auf uns ge- 
kommen, so sehr interessant es schon deshalb wäre, weil wir in ihm 
einen zweiten Beleg für die 1 landschrill Saladins hätten, die wir so 
nur in unserer Chronik beobachten kömien. Die ansehnliche Bibliothek 
des Marx Otto und seiner Frau wm'de von den beiden Ehegatten durch 



II 

i' 



i. In einem Sammelbande der Str. U. Dibl. zur deutschen Üesch. während des 
SOjährigen Krieges, 1 (IG 17— 1623) linden sich folgende Drucke: 

1) «Motiven, warumb dem Marches Spinola etliche Statt und Oerler in der Chur- 
plalz >ic!i zu bemächtigen nachgesehen und vcrstatlct worden.« Gedr. 1G20, Verf. 
Christian Gegenwehr (pscudonyni). 

2) .Spanischer Schlall'lrunk (Dormi secure), den sampllichen Teutschen Churfarsfen 
und ständen . . . zugerichtet. Aul.) welchem wie artlich der Spinola solcher SchlalV 
sucht an jetzo . . . gebraucht . . . zu sehen.» Gedr. 1G20. Verf. unbekannt. 

3) «Vertrag zwischen Vnion und Spinola zu Mainz am 2/1-2. April IGM, lat. und 

deutsch.» Herausgeber nnbekannt 

4) «Autrrichtiger Discurs . . . der Motiven warumb dem Spiuola cttliche Statt . . . 
sich zu bemächtigen nachgeseheri worden aul.) Trieb eyffriger Lieb, für das bctrangte 
Vatlerland aulögcfertiget.. Gedr. 1021, Verf. ist unbekannt. 

."). lleinrici, Leichpredigt auf Marg. Olto, IG78. 



^ 35 — 

ein «leslamenlu... reciprocun.. vom ± Dec. \m und vom 19. Okt. 
1673 (nebsi einem heule nocli bestehenden Stipendium) an die blrass- 
burger Universiiät vermacht und der berühmlen Bibliolhek emverleibl." 
Es ist also ganz sicher, dass das erwähnte Ei bauungsbuch in dem Brande 
der Bibliothek 1870 zu Grunde ging'. 

Die uns bekannte literarische Tätigkeit Saladins liegt .mit Ausnahme 
des Erbauungsbuches, das wahrscheinlich später entstanden ist) vor 
1623, wie wir am Schlüsse dieses Kapitels noch näher darlun worden. 
Ob er in der langen Zeit seines späteren Lebens (1023-1656) 
noch andere Werke verfasst hat, entzieht eich vollständig unserer 

Kenntnis. 

Die Kindererziehung Saladins wird in den Leichpredigten und iNach- 
rufen auf seine Kinder stets gelobt, was aber bei der Phrasenhaftigkeit 
dieser IVodukle nicht viel bedeuten will. Besonders betont wnd die 
religiöse Seite der Erziehung. Seinem einzigen Sohne .loh. Carl liess 
er eine gründliche Ausbibiung zu teil werden; ja selbst seinen Töchtern 
fehlte es nicht an einer gewissen geistigen Schulung l Er lehrte sie 
besonders Spiiiche aus der Bibel zu schreiben'. Die Geschwister 
scheinen auch späterhin in gutem Einvernehmen gelebt zu haben'". 



G. ]•:. V. Loni-FLEn, lor. eil. S. l 'i5. 

7 Vergl. V. Loeffleu, loc. elf. S. l 'u . Wif wollen hier nid.t verfehlen, auf ein 
sein- schön, ja kunstreich geschriehenes Man.iskripl hinzuweisen, das sich im Besilze 
.ler Str V. üibl. (L. Alsat. 118) bcfinact und das alle von Hcinrici gcschil.lerlen Eigen- 
schaften besilzt. Sein Tilel lautet : <.Kxtract oder kürt/.e AiiC.zilg aü[.\ .lor .^fralol.urgi- 
.oben Chri.llicben Kirehenordnung von den r.irncmistcn Saclien Vn.ll Haupt l>unrkion 
Christlicher o-ottseligor Lehre, So in .ler Kirchen furni Altar Vnnd auf der Cantzel 
■rebandiet Vnnd verrichtet ^vil•dt. . .. Man ist erstaunt zu sehen, ^velcher Fleiss auf 
die Exaktheit der Schrift und die Verzierung der Buehslaben verwen.let wur.lo. .D.(.> 
Huch hat geschrieben vnnd verfertiget Johannes Moser von Friedbergk in der Wellie- 
raxv des Vhrallen Stammens Vnd Namens genant Veith Moser vou Winkel zu Mllac-h 
in Kärnten, Bürger zu StralM.urg. r.üldenschreiber und Uecheunicister den 27. lebruanj 
Vnno . . . tr.OI.. Dieses buch könnte Vorlage des Saladinscben gewesen sein. 

S Mar-aretha Otto «war gar ein scharfsinnig un.l wohlberedtes Weib, die nicht 
nur von geiueinen, s.mdern auch wichtigen Sachen also wissen zu sprechen, da[^ man 
ihr nicht gemeine liemüthsgaben wold wahrnehmen können ... sie war auch eine 
verständige und lleifdge liaui:>frau . . . die auch selbst die Arbeit angrilTen». Sie schrieb 
«ein ganz Register schöner und kralliger Sprüche aus einer kleinen b.beb-, verfer- 
tigte eine Selbstbiographic u. a. m. (Heimici, Leichpredigt auf Marg. Otto; vergl. auch 
E. V. LOEFFLEn, loc. eil.) 

0. Heinrici, Leichpredigt, 1678, S. 23 
10. Desgl., S. 22. 



- 33 - 



Saladins Charakter als Chronist. 

Saladin gehörte mit seiner Familie der Augsbiirgischen Konfession an', 
die damals in Strassburg fast allgemein eingeführt war. Auf seine Recht- 
gläubigkeit ist er so sehr bedacht, dass er einen lateiniscbon apologetischen 
Brief gegen ein von Valentin Schmaltz aus Gotha dem Strassburger 
Hate dediziertes nrianisches Buch in seiner Chronik (63/f) wieder- 
gibt. Dass er ein recht eifriger Protestant ist, ersehen wir aus seiner 
Gegnerschaft gegen die in Molsheim residierenden Jesuiten-, die er bald 
«Gottsbosswicbter^' (676), bald die ((ert/irummen Knecbilin des Bischofs» 
(64-1), bald das uJesuitcrische Ottergezicht)-- (611) nennt. Er spricht von 
«Jcsuilcrischen Praktika, damit sie lang schwanger gangen)^ (640 '0^ 
Seine Feindschaft richtet sich auch gegen die übrige katholische Geist- 
lichkeit im Elsass. (Vergl. 659, 664'' und andere Seiten.) ÜbertrolTen 
wird diese Abneigung gegen Kallioliken noch durch seinen llass gegen 
die Juden. Selbst wo Saladin einer Vorlage folgt, die nichts Gehässiges 
gegen die Juden ciilhäll, gibt er ihr diese Beigabc. Wir schon dieses 
recht deutlich in dem Berichte über die Hinrichtung des Vinzenz Fett- 
inilch am 28. Febr. 1616 zu Frankfurt a. M., den Saladin einem fliegenden 
Blatt getreu entnimmt*. 



1. Heinrici, Leichpredigt auf Marg. Otto, 1078. 

2. Die Jesuiten wurden von Job. von Manderscheid nach Molsheim gerufen und grün- 
deten dort eine katli. Universität. (Vergl. A. Meister. Der Sfrasshurge)- Kapitelslreil, 1899.) 

3. Weitere Beispiele: «Der SchatTner schwur dem DeüfTcl ein bein ab, kundte 
wegen der Jesuiten aeqnivocation sicherlich schweren dan meines eracbtens die 
Jesuiten vorhin def> Deüfels» (092"). Ein .Tesuit wird auf der Kanzel zu Hagenau 
unsinnig, als er gegen Luther predigte, «ist hinforth nimmer mehr gesehen worden, 
ist meines eracbtens in den himmel kommen, darein die Jcsuwiter alle sollen. Empflng 
also seinen verdienten Lohn» (670). «Die Deuffclskinder kennen nicht ruhig sein, 
man handelt dan mit ihnen wie die Böhmen welche den 12. Martii dises Jahres (1619) 
20 Wagen voll Loioliten und Jesuiter wie sie der gürtet beschloßen auß dem König- 
reich Böhmen vcriagt, Diabolus sit Comes.« (676). 

i. Als Beispiel diene folgende Nebeneinanderstellung: 



Vorlage. 
E. Die einbekleidlnng der Juden. 

12. Seinndt die Juden mit ihren Weib 
vnndl Kindern in der Prozcßion in ihre 
«afien begleitet worden. 



Saladin. 
E. Die einbekleidtung der Juden oder 

Deuirels-Kinnder (OiS»»). 
Saladin ebenso, er setzt jedoch hinzu : 
«Der DeuCTel holl alle Juden, die sich zum 
christlichen glauben nit bekheren wollen» 
(648). 



- u - 

Ha.e,. wi. uns , so.eU dies "ff '^'^ -.r^eU ^üll'^^ 

Verfasser unserer Chronik unterr.cluet, so e.hel.i 
bisher zurückgedrängte Frage : 

wer war der erste Verfasser der Sa.adinschen Chronik? 

,„,erg.n.enHandse.,.awirdder^au.e<^^2^ 

so individuell, da.s man uen^ gefunden weiden, die in 

,eine Haudschria '^'^^^^^ C^^^^^ »-., kein 
den BuchstaLenfurmen nul "«'c i.n ^^^^^^^_ 

anderer gedruckter oder l'-'dsohr,fllH.l, Ih e ^^^^^^^_ 

Verfasser unser. Chr..ik..^ 

können wir leichl .chUessen . i^ti Vortas^^er l)escbriel)eneu 

,ie ganze t.ronik. a.so auch d,e vo. ^^^^^^^^^,, ,„„,. 
B,uer; er schrieb - ^-^ / " .^ ^ ersten SOueihor ganz 

ongescham hatte - ,"*^,. ,,„,.. ,„„ beschickter .la.d hc- 

offenbar geplante Ausniahu>, ue. ^^^,^.,^^^ 

sorgen: das ahes >«-;;;::,;-™ ^^^ f ^In^^^ Verhältnis 

Schreiher ou, z.emh. - - ' J „„ .,^ ,^,,,, p,,,„usn,ns für 
bestanden habe, ü au ,„,^^J,,„,g,, Gegebenheiten fest 
Strassburg sowie die hünnlnl^ Verfasser ein Sirassburger 
uns mit Sicherheit schliessen, dass er ^^'^^ ^^^^ J ^^ ^,i„^ „Lr 
Bürger war. Ausserde, -nuss er ^^^^ ^^^^^ ,,, ..., 
im Juni ItiM noch gelebt haben. - '*'« ;^ ' ' ^,^„,, ,,, ^,,,,, 
leiten kann auf der Suche nach ^'-^ ^ ; ^ ^^ f * ..J^Be.iehungen 
^S^^rrwrXrr'rin. .....n. oh der 

^r r irrt:t,:rLh .,... Oeorg Sa,adin gel.i^. 

:re::?3:r;i;r^^^^^^^^^^ 

Dewannien o " o /*: is!\ snimn dar^etan wurde. 

Saladin in Strassburg, wie oben (S. IS) schon (iar„,u 

Miimeister schmucken \soiiie, /.ti^^i 
Wappeu stellen sollten, leer Hess. 



I 



- 35 - 
. l,er Maler der Chronik Brenlel kommt nicht als Verfasser in Frage, 
da dessen Handschrift, die wir an einer Handzeichnung ™^>«d^'^'>;«; 
Knpfersticbkabinett zu Strassburg beobachten konnten -lUs m. 
„nserer Chronik gemein hat. Auch dessen Vater, der Male, Geo.g 
(nicht Friedrich!) «Brendlel.-, dem wir zunächst aus gewissen tr- 
' n^e de vLfasserscbaft des ersten Teiles zuschreiben woll ten 
ITnicbt in Betracht, da er am 1. Oktober • 0.0 schon tot .s^ 
Noch weniger aber dürfen wir auf den "'^«^ «--f^ ";;";; 
Landsmann Saladins. Jakol, Ilerrmann, '"-•<=-'" ^teltra^ln 
/. März -.572 das Zeitliche segnete'. Auch Vater und § ^ v - Sa ' 
,.-,„nen nicht Schreiher des ersten Teiles unserer Cb n g we en 
sein. Beide waren nicht Sirassburger Bürger, auch starb dei eine 
schon 1603, der andere war gar schon l.jg"; tot. 

Nun bleibt uns nur noch ein Mann übrig, der unter den uns 
beka a ! 1 Verfasser der Saladinscben Cl,ronik in Anspruch genommen 
^könnte: der Schwiegervater Saladins, der Sirassburger Bug 
Apotheker Car, Uingler. Und in der Tat scheinen verschiedene 
rrwä'-un-en ihm ilie Verfasserschaft zusclireihen zu wollen. 

r nm r st es doch sehr natürlich, dass der Schwiegersohn die von 
dem sc wie-ervater begonnene Chronik erhielt und (ortsetzlc. Leider 
l.r'r Wandscbria Carl Bing.ers nicht mehr au|eh,nde^ wer dem 
Zwar erwähnt der erste Verfasser die Apothekcrman a e ^om l..^n 
31. .lanuar 15.58, von denen ein dürHiges ^'»"-'<"P\f7^^ '^"^^'^^J j 
zu berichten weiss, nicht, was uns von einem Apotheker imme.h.n 
„riss. Aber dieses Hesse sich noch leicht e^^-a-^ Erschiene 
doch diese Mandate 10 .lahre vor seiner Geburt ^« ^ ;' "J 
Wannte. Aber selbst wenn er sie nachträglich 8«'-""^^ -' «J^« J^r 
ibre Nichterwähnung nicht gegen seine Verfasserschaft, ha doc^t 
weite Schreiher, von dem wir nnzweifelbaa wissen, dass er Apotheku 
zweite scnieinei, irit; ißlfi nnd 1620 an unserer 

war und dass er in den Jahren 161d, Iblb unu 



C. ES ist ates etne auf etn. MusCe. stellende „aC.e man. ^J^^J^ 
„tt n,re„ n.„.te„ .ospai.tes So,e. ü.ov das «-.• .-^-^. -^;^ "^ „t,,,, ,,. 
die 5 Hoxame.ei. -At ,u divitias .... — ;";'; ,„,3 ^„„ie,, Bren.ct. 
dachtnu. sclTiel, dieses in MuUgav, den " O;'» ' %• ;,„„ ,,,,,,, .,. restinn 
Jturger nnd Malder in .StralSl)U.g m. p.» Unlcr dei Zeionnu g 

lente. » 

7. Str. St. Arch. N. 2i8, S. .05^ Nr. '''- uanä.cJ.ifienproLer.V.V U, 

8. Str. St. Arcli. IV. J. (Yergl. FioKicn iin.l ^M^KELM.^^^, 

Nai-hlräge (zu Tafel :^3) IX.) 



— 36 — 

C,u-oniU schriel,, ,.ie ApoU,eUern,on,.».e von MVU.» ""'"i^r",;::," S 
Zollfreiheilsorklaruns der Apothekera.atenalien von 1h20 nnd me 
Apolhekortnxc vun 1615 " niohl nur nid,, wiedertrcjrebcn, sonrt.rn m.t 
keinem Worte erwähnt. 

,.el.en «•«>■>, eine Fonlo.nn,, ,lic «ir nn ,len crslen Schreibe, stellen 

musslcn. 

Wäre Carl lün^lcr l.aUl nacl, Kill, n,in,leslons aber vur 101,, dem 
blu-e in dem Saln.lin ,lic Knrlselznng der Chronik bcguml, gesto.l en, 
hnn wäre uns.r Indizienbeweis .iemlicl. scblüssig. Dies .st nun aber 
nlt Ttrlrrend; wir fin.len Uin«,er n„cb am 10. Oktober 1 «n er 
den Lebendon.- Aber eine andere Mögliebkeil liegt nabe und lasst den 
übcrcan.' der Cbrnnik vom allen Ringler auf seinen Scbvviegersolm als 
''rwab.scbein,icb erscbeinen. Seine Tochter hatte s.cb n.t .nem 
Nichl-Slrassburgcr vcrsproeben, der S.rassburgcr Ratsherr .ollt sem 
Kind einem «Auswärtigen, antrauen lassen, ^yas "'^^"^ ;"•'-•■;; '; 
er aus Lokalpalriotismus die C.eseldcbte Sirassburgs anfze.cbnele, um 
sie den, Scl,wieg,Tsoh„, der siel, ansehiekle, Sirassluuger Bu,-ger .u 
werden, zur l.ektu.e zu geben und il,n iu die St,assl,urger Gesdne te 
ein/uführen? Kr slillelc sie vidleicht den jungen Leuten n, d,e Lhe, 
damit Saladiu sid, dan,it vertraut mad,e ,uk1 ein guter Strassburger 
icrde. Er wird il,n sogar augeregt haben, die C.luon.k lortzusetzen. 
Ris zum Juni des Ileiralsjalns Hill sd,rieb der Sd,w,egervaler ,m 
November Ulli wird Saladin Strassburger lUirger und vor, Ibli an 
wird die Zeilgesd.icl,te Sl.assburgs in der Tat dnrd, den Sebw.egersohn 
fortgefülu t. I!ei .liesem Ve.-hulluis ist es nicht wunderbar, dass Saladm 
die Chronik als seine Chronik ansgibl. Sie war für ihn bestimmt; er 
bat dann nod, den grösstcn Teil daran geschrieben, s,e war semc 
Chronik. 



9. Pi-ototc. .k'i- .\Xler, ICI;), S. :i6ii. istr. St. Avch.l. 

10. Str. .St. Arcli. l'iotok-. iler XXIer, IGIC, S. IOC, I9ß. 

11. Ebenda, ICiO, S. Sil, 

12. Ebenda, 1015, S. .160. Ein M. der Sir. U. Bild, .■nlhält diese Taxe. 

l;1. Str. St. Arel,. Slrns,/,,,,-;,,:- KUrg.rhoch II, S. Uli, NvonafU C. Ringler nnel, am 
19. Nov. ICH lebt. 

11. Str. St. Arch. .\. -iW, S. 4\ 



— 37 — 



.§11. 
Zur Genealogie der Familie Ringler. 

^Ve„n wir auch nicht mit absoluter Bestimmtheit Carl Uingler als 
den einen Verlasser unserer Chmnik bezeichnen konnten, so ,3t doch 
die Möglichkeit so nahe liegend, dass einige ge.iealogisd.e >ot,.e,. übe. 
die l'inglers erwünscht sein möchten, zumal da de,- zweite Vertasser, 
Saladin, in diese Familie hineinheiratete. v,-„,„,,p,„ . Kr 

Der Vater Ca.l Ringlers, Jacob Ringler, stammte aus Nu nbe g • U 
.vinde am 24. Januar 1557 z« Strassburg mit Magdalena, 'loeh.er des 
Allammeisters' Jörg Leymer aufgeboten und henalete sie am 1. Fe- 
bruar 1557'. Jacob Ringler ist Apotheker und wohnte zunächst n, 
r Spiessgasse.. Aber schon 1587 ist er ^^^^ J-'^\;'^Z 
lläuse.' in der Oberstrasse und im Lucungasslein '. Seme H Kinde. 

sind : . 



winncii sehen. 

i. .unraeisler liöC und I56i 

H. Str. St. Areb. M. 100, S. l. 
. ■, Naehweisbn,- a,« IX Okt. 1558. (Str. St. Atel,. N. 21... ?• 8.. 

„,endlsch,-eibc.r 1591) im Str. Sl. Arcb .. '»Out 1. >^^^ .^^^^.,^,^^, ,,, 
in,ro mm 13. Mrh. hh ISIO. Strassbur?, HetU) bat d.e,c Hau e ,„. 

„aus N,-. I'.0 der Langgasse ifrüher Obers.ra.se, -^^^J^\^-^^ ...U n Es 
gasse irruber Lucei-ngalilein). Ersle,-es Haus Incss „ocb lo.,7 ^/"J^'"^ fll'^^,^,, 
stebl iu unn,il.elbarer .Nahe der Stelle, an der zu U.nglers und «»»'f "» f '' ''' JJ* 
geslanden bat. Einmal sebreib. ja aueb Saladin: -als d.e ^^^^^^ f^ ^ "^'^ 
aC20, «iederumb allein zuo deliberiren saßen, da spi'ang '>"^ / 'f ^t fu e n o^,- 
Neuner Zeil bey der Apolbeokh von ibr selbst enU«,, «eiche» v.el tu. e,n 

derliches Omen lialten» (C97). , .-rn hinein dnolhekev 

Dieses Haus xvird zuer.s. 1331 erwähnt, gehörte toia und '^,'^» ! »t' ' ^P°' „„"^ 
Jacob Sch.egler, 1587 besitzt es Jacob Ringler, lü8t der ^P"'^'-;' ' ^f;;,™^„ 
,837 benndet sieb in ihm eine Apolbeke. Da Job. Car Sa ad.n '« »;;''; »^;;,^^,:^ 
.U- ve„nu.ungs«eise die Uausbesilzerrcihe zwischen Jacoh R u d '- '^ to 

massen riehtig ergänzen : Carl Ringtev, loh. «f '" ,«»'^' ,»'llaur;on Gn enbergpta.z 
1G56-1680. Da die Pfalz ja längst >veg8ebrochen .sl, isl da» llau on, ünMD«^ 

aus ganz gut siehtbai- und macht ,lureh seine» edelen 0,ebd e,ueu ■-; ' ^^^^'-^''^ ' 
Eb'dmck. In den unteren Uämnen wird jetzt ein HerrenkonrekUonsge»el,art betr.ebeu. 

(Vergl. Seybolb 83J8i.) _ .,irh dieses Isoimle die 

über das Haus in der Lalernengasse 1 s. Seybolb , 3, , r ■^"'^'\^'^^f ' ^.j, 

„esi.ze..eiho Carl Bing.er, iuh. Georg Saladin. .loh. Carl Sa Ud.n geh b '- «", a » r 
die Besitzer von .r,87-.738 nicht kenneu. At.erd.ngs .st diese» he, 
reirhtuni Jaeo.) Riuglers nicht wohl anzunehmen. 



1. Jacob, 

2. Jörg, 

3. Johaunes, 
4 Jacob, 

5. Magdalena, 
.6. Barbara, 

7. Carolus, 

8. Daniel, 



— 38 - 
23. Okt. 1558 (Str. Sl. Arch. Nr. 213 S. 87'^)' 
gel. im Münster am 8. Febr. 1560' 
^ 5. Okt. 1561« 

2. Mai 1563' 

U. Nov. 1565"^ 

1. Dec. 1566»» 

15. Aug. 1568'^ 

6. Juli 1570^^ 






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7> 
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0. Er starb vop dem 2. Mai 1503, da an diesem Tage ein zweiter Jacob aersell^eu 

'Ti:mtm, S. n:K Gcc. ,.ngieraufeebo,enn.itMa...a...,a, T„c,,,o,. 
des Jacob NVoiir, am 28. Mai 1592. ,S.r. S.. A>cb. .N. 2-7, S. .01, .r. 403.) D.eser Ebe 

entsprossten 2 Kinder: 

i relicitas, get. am 12. Au,. 1593. (Str. St. A.ch. . 2^7 S 03 «r 13.1 

>) Georg Friedrich, get. am 19. Nov. 159'. (Str. St. Arch. N. 2. S. 32 M 7. 

Geor.^ lebte noch beim Aufgebot seiner Tochter Felicitas a.u IG. ^o^ IG 17. (SU. 
St.Tch. TnS, S. 396^ .r. 1247.) Anlang 1G20 wird jedoch seine WUwe w.edcr 
aufgeboten. (Str. St. Arch. N. 248, S. 129% Nr. IViO.) . . . . , 

; Str. St. Arch. N. 213, S. iCO^ Johannes lUngler. Dr. n.ed., vcrhcu-atet s.h am 
07 Januar 1590 mit Maria, Tochter des Altammeisters Joh. von llohenburg. (Mr. St. 
Arch N. 247, S. 119«, Nr. 365.) Ihre Kinder, zu St. Thomas getauft, smd : 

1) Maria, ':i. Nov. 1590. iStr. St. Arch.. N. 2i7, S. 1:50, Nr. OGG.) 

■2) Hans Jacob, 1 i. Febr. 1592. (Ebenda, S. IGO", Nr. II 10.) 

3) Johannes, 30. Aug. 1593. (Fbenda, N. •48, S. 3, Nr. 1.) 

1) Hans Friedrich, l. Mai 1596. (Ebenda, S. Ci, Nr. 3G8.) 

5) Susanna, 29. Okt. 1598. (Ebenda, S. 108^, Nr. G73.) 

6) Hans Carl, 12. Aug. ICOO. (Ebenda, S. 112, Nr. 878.) . .,^, ,,, „ 
Johannes lebt noch beim Aufgebot seiner Tuchtei" Maria am 7. Juni IGl. (^ti M. 

Vi-ch N n8 S. 329b, Nr. 990). Avird aber beim Aufgebot seines Sohnes, des Apo- 
thekers " Joh. Vriedrich Uinglcr, an. 17. Aug. 1623 (Str. St. Arch. N. 218. S. 408% 
Nr. 1528) als schon verstorben bezeichnet. 
9. Str. St. Arch. N. 213, S. 181«. 

10. Ebenda, S. 216«. .. , „ , ,. 

11. Ebenda. S. 233% Barbara verheiratete sich am G. Dez. 1591 mit dem llandcl>- 
mann Matheus Grabestaden. (Str. St. Arch. M. 8G, S. n\ Nr. 6G.) 

12. Str. St. Arch. N. 213, S. 2(>->K Er ist der spätere Schwiegervater Saladins. 

(Näheres s. unten!) • „ i 

13. Str. St. Arch. N. 213, S. 291«. Daniel hingier verheiratete sich mit Barbara, 
Tochter des Nil^olaus von Dürckheiui des Jüngeren, am 16. Januar 1599. (Str. St. Arch. 
M. 51, S. 15, Nr. 1 und ebenda, N. 218, S. 112, Nr. 27G.) 

;on Uim sind im Ta.ifbucli von Sl. Nieolaus (Str. St. Arch. M. lOG) 8 Ki.»der von 
lG01-16l.-> verzeichnet. Er wird zuerst Handelsmann genannt; als seine älteste 
Tochter lG2i heiratole (Str. St. Arch. N. '19. S. 5), ist er Droizoh..er. und 1G26, l(,32 
und 1G.;8 Ammeisln der Stadt Stras.^burg. 



— 39 — ' 

Ihns Jacob, gel. im Münster am 13. April 1572** 

10. Friedrich; » » » » t X 575" 

11 Heinrich , » » » 23. Okt. 1575 

i,.nh RinMer ist 1587 noch am Leben"; am 0. Dez. 1591 ist er aber 

Jacob R ngle. .st 100 3^,,^; ..^ler Saladins, heiratete am 

t:::m:^^^^^o....\. u.,. «.er... «.« 

Kinder sind: ,4x01^0 

1. Magdalena, gel. ^u St. Thomas am 9. bept. lo9l _ 

2. Joh Friedrich » » » ' ' »• f 8' l^l., 
. 3. Carolus, gel. .n Alt St. l'eter am 18. Aug. 594 _ 

A. Jacob, ^^^^^^^^^__^J^_J^^k;^_^^^^_____ 

,i. Str. St. *'•"'• !*-,^'';',f-''"';,i^.,, „i,,„e,., Handelsmann, verheiratete sich am 

,5. Ebenda, N. 2 1, S. y'' 'f ^ ^f ;;Xl e^ Handelsmanns Marx (Uabissdado 

8. MOV. 1507 mit Salomc, Tocbter des ^'^'«'"'"Y „ . , -- x^. ,-,i, nachdem 

■!; . „1 V ■>■.« s T(ii' ^r. 710 und ebenda, M. »(>, b. ■>>, -"■ '> 
Tmil i,r::n ^o: :«.^ 5:7' anr.ebo.en — .va. Seine . Kinder s,nd : 
„ Magdalena, 20. ,U... i:.98. ,Str St. Ar lu V -1 , S^ Ul ; 
.,, triedricb, ,>. Sept. 1500. (Ebenda, N. 2.8 S. 1-., N.. 73.1.) 
:„ Salome, 17. An«. 1«00. (Kbenda, S. li; Nj-. .-^SO.) 
1 Hans Jacob, 1. febr. lüC. U;benda, S. ':-^' «'• '"«"i 

Anna Calharina, n. Okt. ICO;. iKbenda. s 106, .297.) 
, Margarelba, 28. Mai 1000. (Ebenda S 2.8^ .N. Mi., 
7 Barbara 1.'.. Nov. 1607. (Kbenda, S. 260, Nr, 1778.) 
l\ SoX, 12. Sept. .600. (Ebenda, S. 280'., Nr. .00;.., 
IG. Str. St. Arch.. N. 214, S 31''. 
,7 Mlmendlbnch 1587. S. 100 nnd IM. (Str. St. .Vrch.) 
18. Str. St. Arch., M. 80, S. 24", Nr. «6. 

\l 'irf' Srt,rN.'24rs. T- 3,'Nr. 1077. Sie ist die spätere Vrau Saladins .. oben:,. 

.,,. Str. st. .vrch. N. 2 WS. . n ^. .203^ ^^ „^.,,,„,, 

''«"1"",;» n ■ die e i-ra lr!°bln-gs Kirchenbüchern nicht verzeichne. 

•r airtohlans^^nlutg^rnnden bat, so kennen .ir nicht den famtbennanteu 

der Frau. Sie halten folgende Kinder: 



l) Margaretlia, G. Okt. 



To,r;s;r.-st. Arch., N. 218, S.30.^ Nr. 2683,, l-aün: 

'^'orLSna, 0. NOV. 1018 (Kbenda, S. .U5^ Nr. 287.5), Laie: Daniel Uingler. 

'■K) \nna 2.",. Mai 1623. (Ebeu.la, S. 474, Nr. 33ii3.l 
Jcarolu., r..Mail(«0.li:bonda,N.2«,S.78,Nr.(;i0.1 

, t^-;. L .rla ;.h.r des .e. 

Nr. 158 und ebenda N. 248, S. 4()J , -Nr. ,-,u^n vpvkphr ah wurde meineidig 

,nch dem Kirchgange geboren; Jacob stinvur vorehelichen Neikehrat wura j 

;;» tlc^^en mu^st er -vir grol.V. fnrhitt ins ilauts schworen-. (M. nt. S. o. 

Nr. 58.) 



-7*0 — 



— 41 - 



N 



-el. zu All St. l'eter am 1. März 1597^'* 



r>. Saluine, 

(i. Amiii, >' » Sl. Thomas >- ^i^. Mai I.VJ9-''' 

7. Hans Heinrich, >> » » » " ^- l^'^'^'- *^^^*'" 

8. Mari.., » » » ^^ ^^ ^•''- ^''^'' '^''^-"'^ 
Ausserdem hallen sie noch eine Tuchler .\h.i-garelha, deren Gehuil 

aber in Strassburgs Taufbüchern nicht verzeichnet ist; sie nuiss also 
wohl auswärts geboren sein. Sie heiratete am ^29. Nov. Iir23 den Gold- 
arbeiler Jacohus Bauer ^\ Ein allerer Namensgenosse Carl Ringlers, 
Sohn des Lienharl Ringler, geb. am 20. Sept. 1551- bedarf kaum der 
Erwähnung, da über ihn sonst nichts bekannt isl, als dass er geboren 
wurde. W'ann der Schwiegervater Saladins, Carl Ringler, starb, ver- 
mögen wir nicht genau anzugeben, da Strassburgs Tolenbüeher erst 
ca. U)50 beginnen. Am 10. Okt. 1624 noch unter den Lebenden »^ belindet 
er sich am 3. Nov. 1029 schon im Jenseils". Er war auch .Mitglied 
des Rates, scheint jedoch ebenso wie sein Schwiegersohn nicht hervor- 
getreten zu sein»-'. Dass die Familie Ringler sehr angesehen in Sirassburg 
war, zeigt neben den Patenlisten und Heiraten von Mitgliedern dieser 
Familie in den Adel aucb der Umstand, dass Daniel Ringler zweimal 
Ammeister der Stadt wurde. 

§ 1^2. 
Der Maler der Saiadinschen Chronik. 

Neben einer Reihe von Namen haben wir auch wiederholt einen 
genannt, dessen Träger Mitarbeiter an der lleistellung unserer Chronik 
war, den ihres Malers. Strubel hat uns, wie wir bereits sahen, überliefert. 



dass es ein Brentel gewesen sei 



*. Obwohl er keine Quelle für seine 



24. Str. St. Arch., iN. 171, S. 307. Salomo ^^ul•ac aufyebolen lait Taiiluö Schell 
am 10. Okt. \G1'i. (Str. St. Ardi., N. 249, S. i'".) 

25. Str. St. ArcU., N. 2i8, S. 120^, Nr. 7Ü3. Anna licirateU' 1020 dfi. Juh. Heinricli 
Schmidt. (Str. St. Arcli., N. 2'i8, S. 431 ^ Nr. 1380.) 

26. Str. St. Arch., N. 2'i8, S. 15 i'', >r. 045. 

27. Ebemla. S. 175»', Nr. 1110. Maria heiratete am 3. Nov. tG29 den Handelsmann 
Güllfried von Dran aus Joiia. (Str St. Arch., i\. 2 40, S. 73K) 

28. Str. St. Arch., N. 2i8, S. 319'', Nr. 1071. 
21). El»enda, N. 2i5, S. ^7, Nr. 380. 

30. Str. St. Arch., N. 2i0, S. 4''. 

31. Str. St. Arch., N. 248, S. 431« Nr. 1380. 

32. SebÜziiis, Nachruf auf Joli. Carl Saludiu HiSO (Proi-r. funobr. Str. U. Bild.) und 
lleiurici, l.eichpredii-t aul Marg. Otto 1078. 



Nachricht angibt, auch sie nicht aus einem Monogramm an den Malereien 
der Chronik ersehen konnte, so haben wir doch keinen Grund, Miss- 
trauen in diese Strobelsche Angabe zu setzen, zumal wir gewisse 
Bestätigungen dafür gefunden zu haben glauben. Unsere Chronik ist 
Jahr für Jahr mit den Wappen der Ammeister Strassburgs geschmückt 
bis zum Jahre IGIO. Die folgenden Jahre bis 1621 entbehren dieser 
Zierde, nur leere Stellen zeigen an. wo der Maler sie anbringen solllo. 
Nun linden wir Blätter von Friedrich Brentels Hand gestochen m 
Esaias von Hülsens «Aigentlicbe wahrbaffte Dclinealiu . . . aller der lürsl- 
lichen Aufzug und Reultcrspil ... in der herzoglichen Hauplstatt btutt- 
gartD, das 1617 schon erschienen ist. Also mussle Brenlel Anfang 161/ 
oder 'gar schon Ende 1616 nach Stuttgart zur Anfertigung der Stiche 
gekommen sein. In derselben Stadt finden wir ihn noch am 4. Okt. 1618^ 
und im Jahre 1619. In letzlerem Jahre stacb er die innere Ansicht 
des grossen Saales im Schlosse zu Stuttgart. Diese Notizen lassen uns 
vermuten, dass Brenlel im Jahre 1617 und die folgende Zeit sieb überbaupt 
nicht in Strassburg aufhielt, sondern ununterbrochen in Stuttgart weilte. 
Daraus erklärt sich dann auch, warum die Wappen von 1617 ab in 

unserer Chronik fehlen. 

Ausserdem fand sich noch ein anderer, deutlicherer Beleg dafür, dass 
Brentel der Maler der Saiadinschen Chronik ist, den wir aber, da wir uns 
hier als Laien fühlen, mit Vorsicht wiedergeben wollen. Im städtischen 
Kupferslichkabinelt zu Strassburg findet sich neben anderen Brenlelschen 
Malereien aucb ein farbiges Wappen, das ganz deutlich kF. Brenlel» 
rrezeichnet isl. Dieses ist nun zwar viel reicher als die Wappen unserer 
Chronik; es ist von einem schön ausgeführten Rahmen umgeben, 
enlbehrl' auch des llelmschmuckes nicht, seine Dimension ist grösser. 
Vorteilhaft für die Vergleichung aber isl, dass dieses Wappenschild eine 
Reihe Pfauentedern trägt, die wir in unserer Chronik an mehreren 
Wappen genau beobachten konnten •. Diese Federn stimmen - wenn 

1 Es liandelt sich selbslverslaudlieh, Nvenu auch Strubel das nicht deutlich sagt, 

nur 'um den berühmten Slrassburger Miniaturmaler und Kupferstecher .Indrich 

Brentel. (so schrieb er seinen Namen, vergl S. 33, Anm. 6; häufiger linden ^^•.r 
F. Brentel, oder F. b.). 

2. Vergl. S. 35, Anm. 0. . 

3 Die Wappen der Chronik konnten zNNar nicht unmittelbar mit obigem Wappen 

verglichen ^ve^den, ^varen uns jedoch bei der über vier Monate ^^^^^^'^f ^^ i' l'n! 
der Kopie der Chronik sehr gut ins r.edachtnis übergegangen, so dass d.e Nergle.thung 
/iemlicli uulrüglidi sein dürfte. 



X. 



N 



- 42 - 
! .. rm..o Mbsehon - voUsläiulig- niileinaiuler übeiein. Aurli 
.■ e G„l,llinien, .üe -Ion Uoppen der Chn.ik e.n so z>e. ,chc 
: .. r...,l.„ ui.- hier in .Icrselbei. Ausfuhriini; wiectci. ts 

reifet S .;:;:.';;::: .. WappcnsO... ..er ^0............ 

';i:k si,K, vo„ derselben „.eis.erl.nen "-a;— .-'u. ausge- 
lührt wie das Wappen im S.rassl.urger iM.pfersfehkab.netl . 

Zur Genealogie der Familie Brentel. 

über die Werke des berühmten S.rassbnrger Minialurn.alers ist man 
i„?e itisen ..er Kunsthistoriker in. allgemeinen unternchte Auch 

e,: sich in der knnsthistorisehen Litera.nr --'^ -;;;;';: l' 
Leben nn.i die Genealogie Friedrich lirentels. Diese .nlo.p.ochtn ,.,ch 
jetloc.i um. siiu. meistens unriclihg. 

Jsach der youreUe hioomplne generale iTom ,", l'nn. I^OJp. .m 
,0 Fr. r,ren..l l.'.^^O oder 158.; zn S.rassburg geboren s.,.m ( n 

er le ahr herntt sie sich ant Des. pe<, tms zwe,te an. M.ch I. 

Sc midt lässt ihn in der Al.g. Dentsclum ^^f^^^^^^^^f}^^^ 
D.i. 111, S. M^^ um 1575 geboren sein m,.l U,0 ^f^^^^; 
bnrg .erden, ^aeh den, AI.,. Künstlerlex.kon C^' •^""- ' ^ "f .^^ 
Stut.art 1878, 1. S. 175) ist er 1580 i;-l,oren nn.l wmde m .Iah 

"oi Stra«bur.er lUn.er'. Hiervon ist kann, etwas r.clm,,. De. 
um Sllas^üu.oL. o Slrohel in dem Anhang von 
AYaliiheit am nächsten kninml A. W. Shulici . 

,,,, i„ ,e. Buc,.e „c V,„„,e.,..,..appen .otcUes IJ^'^^i;;^:^:: Z:^ 

mit dngckld.tcn Wappc, .mit 1.x l.l>as. S. 10 tr..;.! . ., ,.1. «a 1 
. ll_lo.. Titelblatt .....1 Voriene, l;!-15 leer; .nut den Pe.l.n I..-0I >'''l'^'-" 
die helmlosen NV.pi-onsehil.le der Amme.ste,- von '^'^^ "•*■. '"^„''•" „„,, ,„ ^er 
.„„ ,33«-.5.«, IClS u,„l 1.,-.^ anncln in '^ ^';^;^: ^^^l :^1Z,.^ 
„..Osse den Wappen der Sala.tinsel.en '; ™"'\- f ^;.,:'tt ", -ir 0,,,. die „-o.se 
.lemselben Meister /.nsel.i-eihen m.,el>ten. .\u.h 1 . . ,st « ^j,^ „,„,|,iiessendes 

übereins.i,n,nnns in den feinen aufee.eichneten •'•"™''^"'" ' '^ ,.' ." z.ve.U «ar, 
erteil «ollen .ir ,lem .nns.historiUer Ueineslaiis vonve,n,„ ... ..- _ 

„,„ auftnerUsa,,, m n,ael,en. tl.ie Wappen de, Jahre o'Jl-lCl,, 

1,0- i,;.x .ind von weit nn^esehicklcver Hand ans^etulirt.i 

11,2, -lü.b sinn Non „„.„„.o ,.•„, Bre.del durch seine Heirat mit 

1 In. lilire liiUI II. ßez.l \Mirdc' allenlinirs ein uilih 

..:„:;, X..U,.r\er.t.e,er .hr.na _;--«—;;- Z:'Zl 

Verinr,^(Mi /ur Zunft /.nr l.uceri. «licncn wolUc Abo, diocr h.c.^ u i , 
aus Ulm uuil Nvar Mtirtelknecht. iStr. Burgerl.uch lll. 8(1 1.) 



'; 



t 



- 4.^ - 

Schreihers Buch über das Strassburger Münstei- Die Zweifel über die 
Zeit der Geburt Friedrich Brentels vermögen wir leider nicht zu zer- 
streuen da die Kirchenbücher seines Heimatortes, wie eine freundhche 
Mitteilung von dort uns besagt, im dreissigjährigen Kriege vernichtet 
wurden Er ist wohl 1579 oder 4580 geboren. Einige Notizen über 
Brentels Lei)en und über die Genealogie seiner Familie wollen wir aus 
authentischen Quellen hier wiedergeben. - Der Vater Friedrichs, Georg 
(nicht Friedrich') .Brendteb, selbst ein Maler, stammt aus Laichmgen 
(nicht Lauingen ^) im würltemberg. Donaukreis. Er erkaufte das Strass- 
buiger Biirgerrechl mit Unterstützung Bernhart Jobins am b. Mai lo87 
und erklärte seinen Beitritt zur Zunft zur Sleltzen». Als er nach Strass- 
bm-o kam, halle er neben seinem Sohne Fricdricli mindestens noch 
eine Tochler Regina, die am 1. Okt. 1010 den Maler Johannes Buler 
aus Niederehenhcim heiratete«, dem sie dadurch am 0. Juni 1011 das 
Stra^^bnrger Bürgerrecht verschafTte^. Georg bekam in Strassburg mil 
seiner Frlu Anna noch eine Tochler Euphrosyne, die am 8. Okt. 1d92 
in der Kirche Jung St. Peter getauft wurdet Diese heiratete den 
Schneider «Ehrhardl Lohmcr von Allersperg» aus der oberen Pfalz 
und versc^hafllc ihm dadurch das Bin-errecht am 31. Mai 1034^ Georg 
Brendtel ist am l. 0kl. 1010 bereits tot'". Sein Sohn Friedrich ver- 
heiratete sich am ^. Februar 1001 mit Anna, der Tochter des ver- 
storbenen Holgerbers Andreas Brackenhoffer". Kinder dieser Ehe sind: 
1. Johann Friedrich, gel. am 1. Januar 1002'- 



% Anna Maria, 



. 17. Januar 1013 '\ 



o Heiru-ich Schreiber, Das Münster zu Strassburg, fC«;7.n./.« ««(/ Fm/../-y. 1828 
me;;irßilchlciu ist S. 71-90 eia .-Verzeichniss .ler merkwQrdigc.. Uasüer der Stadt 
rassbnrg und des Elsasses uberliaupt, von A. Walth. St.obel. ai.,changt (> 7.). 

3 so überliefert Dictionrutiro biograpliique d'Alsace, Liste pröparatoire ,). 20. das 
seinen 1^51 geslorl.enen Solui .loh. Friedricli nennt! - 

\. So ^Nill Strobel bei Schreiber iiml andere. 

5' Str. Bürgerlich, lll. 469. (Str. St. Arch.) 

G. Str. St. Arcli., N. 2i8, S. 295 \ Nr. 856. 

7. Str. Bürgerbucii, II. 93 i. 

8. Str. St. Arch., N. 130, S. 103, Nr. 188. 

9. Str. Bilrgerbuch, lll. 139. „ ,,. . 7n ■ 

10. Str. St. -Vrch., N ;!i8, S. -29.5^ Nr. 85G. vVergh oben S. 3o, Anm. 7.) 

11. Ebenda, .M. 108, S. .s4. 

n Ehe^to '■ '30'^ M'ln^: mel: Anna .Maria hat sieh später einen gn.en Ruf als 
„a eh. nhen.ii!e oischichte des verlorenen Solines in . Bildern im Strass urger 

p'ersnehKahinett anfhe.ahrt, Iriigl dentlieh ihren Namen -Anna Marni lir ndl r n 
Sie' verheiratete sich an, 2. Angns, ,030 mi, dem ^VaPPO..s.einschneidei H n> Is 1 
schwarte von Angshnrg, Sohn des Notars David Schwan, daselbst (Str. bt .Y eh. N. 2^J. 
S 8'J") ^larl, aber schon IU33 in ihrer Vaterstadt. tStrobel hei Schreib«, b. 78)7J.) 



_ il 



•J 



liei ,le.- aui IJ. Se|,t. 1018 «ct.uften Susanna ist e. .wc.le ball ob 
sie eine Tochlor udor eine Enkelin Friedrichs war. Zwar wad u. den, 
Kirchenbucho «Kriedrich Brenlel der Maler» al. ibr Valer angegeben , 
aber das Kirehenbucb isl un, diese Zeit olVenbar etwas uachla..., 
.eluhrl. Als Mutter Susannas ist Barbara angelübrl, en, Name, den 
:.erade die Frau Jobann Friedrichs, des äobnes Friedrichs, tragt, 
lusserden, wird Susanna bei iln-er Verheiratung an, •>. 'f^^l^"^ 
,nlt dem Wür^krämer Job. Philipp Unl^, ^ohn des U ngers Job. Icl m 
,li,.„. .eheliche Tochter Johann Fiiedriehlirentels. genannt De, 
letzte Kinlra« .n, Kircbenbuebe isl ganz sicher sorglälhger als der 
; te. - Johann Friedrich war aber bei der Gehurt d.eser ^usanua 
noch nicht 17 Jabre alt. Diese Unwabrscheinlichkeit wäre zu heben, 
wenn man annehmen könnte, Friedrich habe eine zweite bhe nat e.ner 
Barbara eingegangen und habe mit ibr obige Susanna bekünnnen Dann 
.nüssten wir eiL zweite Susanna als Tochter Johann Friedrichs annehmen, 
die 10-W heiratet. Nun landen wir aber keine zweite Susanna Brenlel 

die um 1620 geboren wurde-'. Auch '---. J«"'-'"/^''^ """^ 
der Sohn unseres Malers, u.id Barbara bereits am 23. A,>r 1020 c ne 
Ba.ba,a taufen-^ Hier ist der Vater noch nicht ganz 4 Monate über 
18 Jahre all. Müssen wir einmal einen so jungen Vater annehmen, su 
dürfen wir ihm auch die 1'/. Jahre Irühe.e geborene Susanna als seine 
Tochter zuschreiben". Friedrich Brenlel starb zu Slias.burg am 

17 Mai 1051 und wurde am 20. Mai begraben". 

Über Brentels Werke zu urleilen, isl Sache der Kuuslh.slor.ke,- Aul 
eine Seile der Brenlelschen Tätigkeit wollen wir hier kurz aulmerksani 
machen, da diese in der Literatur noch nicht genannt ist, namhch dass 
er zahlreiche Tilelvignetlen lür Strassbnrger Druckereien (gezeiclnie 
F. B.) stach, wie mehrere Exemplare im slädlischen KupfersMcbkabincil 
zu Slrasshurg zeigen. 

11. Str. St. .Viel.., !«. 2*8, S. 411", Nr. 28C3. 

15. Str. Sl. Ai-cli., N. 219, S. 290. 

16. lim diese Zelt miisste sie geboren sein, Ja sie schon lO.i l.crdltU. 

17. Str. St. Arcll., N. 2iS, S. U4', Sr. 2S63. 

18. Kinder J li. Friedrichs Crentcl und Barbara sind also: 

1) Susanna, gel. am 13. Sept. 1018. (?) 

2) Barbara, get. am 23. .\pril 1620. 

3, Johann Friedrich, gel. am U.. Jnni lü22. (Sir St. toi... .X. 248, S. , 

1) Anna teria, gel. a,n 12. ivinuar UVU. (Ebenda, N. 217. S. 7" imt. 18.) 
19. Sir. Sl. Arcli., S. ijn, S. ü.jI. 






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4,1 



Zeit iler Niederschrift der Chronik. 

Der Werl einer Geschichlsquelle ist - abgesehen von anderen 
Kaktoren ■ um so höher, je näher nachweislich ihre Abfassung den 
ählten Ereignissen steht. - Wann unsere Chronik zu schreiben 
bgo eu wurde, ist mi. Sicherheit nicht festzustellen ; doch ,st le 
V ..cheinlichkeit gross, dass im Jahre ItUO der Anfang am gema 
wurde da wir diese Zahl auf dem Tilelblatt sehen. Am 1 .. Juni 611 
::wl der erste Verfasser noch an der Chronik'. Die leUten Jahre 
Tor 1011, nachweislich von 1009 ab, wurden erst 16"-'; 
Ic cbriebe n ■. Zwar werden manche Berichte des Jahres 1611 m de, 
GcCwart erzählt', aber dieses Tempus finden wir schon m der 
Se des ersten Schreibers, die ihrerseits gleichzeitig ist. Wir si 
lo nicht genötig, anzunehmen, dass der ef« ^-f^-r sc o„ 1 U 
aufhörte zu schreiben. Er kann sehr wohl Ins Ende 1613 an de, 
Chr k geschrieben haben; dem, erst Anfang 101/, selzt Saladin sie 
L Das sehen wir deutlich daran, dass er schon au. der zweiten 
Seite seiner Fortsetzung im Berichte über das Jahr 1611 eine atsache 
erwähnt, die im Dezember 1013 geschehen sei'. Die Vorredo^ist afert 
vom 13. Februar 161t, sie scheint also eine der erslen Tätigkeiten 
Saladins an der Chronik zu sein'. 

b, der Vorrode gibt der zweite Verfasser au, dass er die «Chronik 
„binfüro so lanng.) ihm «der liebe Gott daß Leben vnndt gesunden 
leih "onnen vnndt verleyhen wördl jährlichen zu continuiren» beab- 



1. Ein an diesem Tage geschehenes Ereignis »ird von ihm noch erzählt. 

2. Die Krankheit von .009 grassierte . auch das künlTtige ..ahr und ferners. (o,2') 

3 "nie vbrigen Soldaten aber, die «ollen nicht .eichen, man gebe ,hnen die 
Tolli'-e Zahlnn- ist vielleicht die Vrsach, das ihnen der Elsasicher vrem so wohl auf 
d« zirscboiecn, sie sollen noch ant 1500 slarU sein, thnn großen Schanen 
mit plünderen, brennen vndt ranben» (586). 

4 „Den 3 . Octobris 101. w.ardt .larnischers Uech.fertignng eror.er . . . Vnd 
ihm also v^erlegt v.-orden . . . aneh solle er .0 n,ey, Wegs Slat vnndt banndl 

':sc:l ercn .'.eher aber dnrch groDo Fnrbilt <'^«"»'^-'';;™ '^« 
Anno 1013 im lObri ist wieder begnadigt vnndt weder m d,e Slat kommen 

""l'selbstversmndlich ist das vierfache Regis.er, vielleicht ant Hat des erslen Ver- 
fassers, von ihm vor der Vorrede geschrieben worden. 



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sichligle. Und so hat er es auch zunächst gehalten". Der Beiichl 
über das Jahr 1615 ist aber sicherHch erst 1610 niedergesclirieben 
worden; denn Saladin beginnt die Erzählung der Ereignisse dieses 
Jahres mit der Erwähnung der vierten AVahl des Christoph Slädel zum 
Ammeisler, die erst 1016 stattfand. Diesen h'rtuni, der sicherHch durch 
das Andenken an den gerade regierenden Ammeisler erklärbar ist, sah 
Saladin jedoch bald, uml er klebte vorsichtig über diese Notiz einen 
Zettel; der i\en richtigen Ammeister Ulricus Würsel trug. Das Jahr 
1610 weist dann mit denselben (überklebten) Worten den richtigen 
Ammeister auf. Das Jahr 1015 ist aber nicht später als 1010 be- 
schrieben. Hat doch der Maler Brenlel, der Ende 1010 oder spätestens 
Anfang 1617 schon in Stuttgart ist, das Wappen von 1616 noch gemalt- 
Also mussle Saladin schon über das Jahr 1610 zu berichten begonnen 
haben, da sonst der Maler nicht gewusst hätte, wohin er das Wappen 
setzen sollte. 

Der Bericht über das Jahr 1019 scheint erst 16:21 und der des 
Jahres 1621 erst 1623 niedergeschrieben zu sein. Im Jahre 1619 hat 
Saladin sich wiederholt verschrieben und die Jahreszahl 1621 gesetzt, 
während wir im Jahre 1621 mehrmals die Zahl 162.1 lesen, die aber 
mit einer einzigen Ausnahme wieder in die richtigen Zahlen verwandelt 
wurden. Im Jahre 1628 also hat auch Saladin die Feder, die mit so 
vielem Fleisse an der Chronik geschrieben hatte, aus der Hand gelegt. 

Der Grund, warum er das Werk seiner Hände nicht weiter fortsetzte, 
könnte in den einbrechenden Wirren des 80jährigen Krieges gesucht 
werden, scheint jedoch einfacher zu liegen. Die 1614 eingebundene' 
Chronik war bis auf einen winzigen Rest vollgeschrieben. Ein Nach- 
binden von Blättern wäre sehr schwierig gewesen und hätte auch den 
Codex sehr unförmlich gestaltet. 

6. Im Bericlite des Jahres 1613 wird zwar eine grosse Feuersbrunst von Magdeburg 
erwähnt, der über 400 Häuser zum Opfer fielen. Es ist jedocb hier nicht an den 
Brand vom 10./20. Mai 1631 zu denken, denn damals blieben nur 100 Hütten stehen; 
die Stadt soll aber 36 000 Einwohner gehabt haben, die unmöglich in 500 Häusern 
wohnen konnten. Es handelt sich also um einen Brand im Jahre 1013. Durch diese 
Bestimmung wird die Abfassung der Chronik nicht so spät verlegt. 

7. Die auf dem Dcfkcl sluheiidc Jahreszahl l(il4 rührt sicherlich vom Bnchhimler her. 



L eb enslauf. 



y 



Verfasser vorliegender Abhandlung, Aloys Leonhard Rupi.cl, wurde am 21. Juni 
1882 zu Ncuhof-Opperz bei Fulda geboren und in der katholischf) Konfession erzogen. 
Im Alter von 5 Jahren siedelte er mit seinen Eltern nach Oberrode.ioach l)ei Hanau a. M. 
über, wo er 8 Jahre die Volksschule besuchte. Zunächst zu einem praktischen Berufe 
bestimmt, begann er, privatim vorbereitet, im Dezember 1896 7M Watersleijde bei 
Sitlard in Holland das humanistische Studium, bestand Ostern 1901 die Aufnahme- 
prüfiyig für Obersekunda des Kgl. Gymnasiums zu Hanau, das er^^ßliTS'-spaier mit 
dem Zeugnis der Reife verliess. Darauf besuchte er auf den Universitäten zu Würzburg 
,feS 04— ys 04/0Ö), Marburg (SS 051, Berlin (WS 0,j/06— SS 0(i), Münster (WS 06/07), 
' Strassburg (SS 07) und wieder in Münster (WS 07/08) Vorlesungen und Übungen über 
l'hilosophie, Geschichte, geschichtliche Hilfswissenschaften, Germanistik, Latein, Sanskrit, 
Erdkunde, .Nationalökonomie und Rechtswissenschaft. 

Während seines Aufenthaltes in Berlin wurde er zum Hauslehrer des Prinzen 
AI brecht von llohenzollern besteHt. 

Am meisten Anregung zu wissenschaftlicher Arbeit verdankt er seinem verehrten 
Lehrer, Herrn Prof. Dr. A. Meister, der ihm auch vorstehende Untersuchung anver- 
traute, sie untertützte und leitete, und ihm dazu noch die Ehre erwies, Mitherausgeber 
der hier behandelten umfangreichen Quelle sein zu dürfen. Ihm und allen seinen 
übrigen zahlreichen Lehrern zoHt der Verfasser innigsten Dank. 

Unterstützung fand diese Arbeit ferner durch die Freundlichkeit der Herren 
Direktoren und Beamten der Kgl. Bibliothek in Berlin, der Universitätsbibliotheken zu 
Münster und Strassburg, der Landesbibliolhek zu Fulda, der Stadtbibliotheken zu 
Colmar, Frankfurt a. M. und besonders zu Strassburg, des städtischen Kupferstich- 
kabinetts und Kaiserl. Denkmalarchivs in Strassburg, der Stadtarchive zu Heilbronn 
und vor allem zu Strassburg. Herr Stadtarchivar Dr. Bernays begleitete die Arbeit 
mit sachkundigem Rate und sandte nach Abreise des Verfassers ergänzende genealo- 
gische Notizen. Herr Prof. Max Gramer in Heilbronn übermittelte die Kenntnis der 
Genealogie der Familie Saladins in Heilbronn und Wimpfen. Auch viele Privatpersonen 
gaben auf Anfrage bereitwilligst Auskunft. 

Die Westfälische Wilhelmsuniversität gewährte dem Verfasser, auf Antrag des Herrn 
Prof. Meisler, ein Stipendium zur Studienreise nach Strassburg. .^ 

Allen, die Arbeit und Studium des Verfassers unterstützten, gebührt sein herz-" 
liebster Dank. 

Vorliegende Arbeit wird als Einleitung zur Edition der Chronik durch Prof. Meister 
und seinen Mitarbeiter mit Hinzufügung eines IH. Kapitels über die Quellen der 
Cluronik im BuUctin de la Soci6l6 pour la conservation des monumenls historiques 
d'Alsace erscheinen. — Die Dissertation wurde eingereicht am 15. November 1907. Das 
Rigorosum fand statt am 20. Januar 1908. 



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